Bodensee soll neu vermessen werden

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Bodensee soll neu vermessen werden

Gewässerschutzkommission bringt innovatives Forschungsprojekt auf den Weg

Baden-Württemberg15.05.2012Die IGKB hat auf ihrer Jahrestagung am 15. Mai in Konstanz beschlossen, sich für eine Neuvermessung des Bodensees einzusetzen. Sie folgt damit dem Rat der internationalen Arbeitsgruppe „Neuvermessung des Bodensees“, die in den vergangenen Monaten Aufwand, Kosten und Nutzen für ein solches Projekt geprüft hat.

Die erste Vermessung des Bodensees hat 1893 Graf Zeppelin vorgenommen. Seither weiß man bereits ganz gut, wie er aussehen würde, wenn man das Wasser abließe. Noch weitaus detaillierter hat man den See in den Jahren 1986 bis 1990 erkundet: Im Auftrag der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) wurden damals im tiefen Wasser Echolotmessungen im Abstand von etwa 200 Meter aufgenommen.
Inzwischen haben sich jedoch die technischen Rahmenbedingungen entscheidend verbessert. Ähnlich wie das hochauflösende digitale Fernsehen weit bessere Bilder liefert als das analoge TV, ermöglicht auch die neue Vermessungstechnik klarere Einblicke in das beeindruckende Innenleben des Sees.

So soll im tieferen Wasserbereich ein sogenanntes Fächerecholot zum Einsatz kommen, bei dem simultan mehrere hundert Schallsignale in einem breiten Fächer vom Seeboden reflektiert und vom Computer zu einem dreidimensionalen Bild der Unterwasserlandschaft zusammengesetzt werden. Im flachen Wasser stoßen solche Echolotmessungen aber naturgemäß an ihre Grenzen. Hier ist eine neuartige lasergestützte Vermessungstechnik aus der Luft das Mittel der Wahl. Bei diesem sogenannten LIDAR-Verfahren tastet ein grüner Laserstrahl einen Streifen von 400 bis 500 Meter Breite ab. Mit diesem innovativen Verfahren lassen sich erstmals auch Unterwasserobjekte und der Seeboden erfassen. Die reflektierten Lichtsignale – je Quadratmeter Flachwasserzone werden bis zu 20 Messwerte erzeugt – ermöglichen dann eine entsprechend genaue Darstellung dieses Bereichs.
Mit der Kombination aus Fächerecholot und LIDAR ist eine hundert- bis tausendfach höhere Datendichte als bei der letzten Vermessung Ende der 1980er Jahre möglich. Und da die heutige Computerleistung und Software ganz neue Analyse- und Darstellungsmöglichkeiten dieser Daten gestattet, geht die IGKB bei einer Neuvermessung des gesamten Bodensees von einem enormen Informationsgewinn aus.

Zur Finanzierung der gut 600.000 Euro teuren Neuvermessung will die Gewässerschutzkommission erhebliche Eigenmittel bereitstellen, aber auch die Vermessungsbehörden der Länder und Kantone als weitere Projektpartner ins Boot holen. Darüber hinaus sollen Mittel aus dem Regionalprogramm der Europäischen Union (EU) zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit Interreg IV "Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein“ eingeworben werden. Wenn alles nach Plan läuft, könnte das Projekt Anfang 2013 starten und Mitte 2015 abgeschlossen sein.

„Mit diesem Beschluss beweist die IGKB ihre Innovationsfähigkeit“, sagte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller, der die Verdienste der Kommission im Rahmen eines Empfangs der Landesregierung Baden-Württemberg würdigte.

„Die Neuvermessung kommt der Wasserwirtschaft und den Behörden bei der Beurteilung wasserbaulicher Maßnahmen, von Badestegen bis zu Versorgungsleitungen, ebenso zu Gute wie der Wissenschaft, die mit dieser Datenbasis bessere Modelle zur zukünftigen Entwicklung des Bodensees erstellen kann. Auch Natur- und Denkmalschutz sowie Schifffahrt und Touristik werden von der geplanten Neuvermessung in hohem Maße profitieren“, so der Vorsitzende der IGKB Stephan Müller vom Bundesamt für Umwelt in Bern.



Ergänzende Informationen:

Seit 1961 arbeiten die deutschen Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, die Republik Österreich und die Schweizerische Eidgenossenschaft in der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee – IGKB – mit dem Ziel zusammen, den See vor Verunreinigungen zu schützen, die Wasserbeschaffenheit zu verbessern, gemeinsame Gewässerschutzvorschriften zu erlassen und sich über geplante Wassernutzungen zu informieren. Experten in Fachgruppen beraten die Kommission in allen Fragen, die den See mittel- und unmittelbar betreffen. Sie erarbeiten Vorlagen zur Beschlussfassung. Die Mitglieder der IGKB treffen sich jährlich im Mai zur Beschlussfassung. Es ist Aufgabe der Länder, die Inhalte der gefassten Beschlüsse in nationales Recht umzusetzen. Der Vorsitz in der Kommission wechselt alternierend alle zwei Jahre zwischen den Ländern Baden-Württemberg, Schweiz, Österreich und Bayern. Bis 2013 liegt der Vorsitz in der Schweiz. Das Presseorgan der IGKB ist der „Seespiegel“. Außerdem gibt die IGKB während des Jahres Pressemitteilungen heraus, die von den Ländern dezentral von deren obersten Behörden an die Presseorgane verteilt werden.

Mehr zur IGKB auch im Internet unter www.igkb.org



Anlagen:

  • Foto: Delegationsleiter der IGKB
    Von links nach rechts: Elmar Zech/Österreich, Martin Grambow/Bayern, Stephan Müller/Schweiz, Peter Fuhrmann/Baden-Württemberg, Egon Hilbe/
    Liechtenstein
    Quelle: IGKB
  • Foto: Tiefenwasserkarte des Bodensees, Vermessung 1990
    Quelle: IGKB



Quelle: Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

 
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