Naturerlebnis und Gewaltprävention im Kindergarten

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft   English  

Naturerlebnis und Gewaltprävention im Kindergarten



Den Startschuss für ein Projekt, in dem Naturerlebnis und Gewaltprävention Hand in Hand gehen sollen, gaben kürzlich Polizeipräsident Konrad Jelden, Leiter der Landesumweltakademie Baden-Württemberg Claus-Peter Hutter und Bürgermeister Gerd Spiegel aus Schwieberdingen im Landkreis Ludwigsburg. In diesem Zusammenhang übergab Hutter offiziell das von der Umweltakademie erarbeitete Expose zur ökologischen Aufwertung einer Streuobstwiese, die den Kindern des Schwieberdinger Kindergartens Stettiner Strasse als Spielfläche zur Verfügung steht und die gleichzeitig für die Umweltakademie umweltpädagogische Referenzfläche ist. Die Projektergebnisse werden in die landesweite Umweltbildungsarbeit der Umweltakademie Baden-Württemberg einfließen, insbesondere bei der Aus- und Fortbildung von Erzieherinnen, für die die Umweltakademie seit nahezu 15 Jahren Seminare durchführt. Die Seminare werden bei der Akademie auch durch eine Reihe von Kindermal-, Bastel- Lese- und Vorlesebücher zu verschiedenen Themen der Natur- und Umweltvorsorge unterstützt, die sich für den direkten Einsatz im Kindergarten eignen.
Denn zunehmende Gewaltbereitschaft schon bei den Kleinsten, übergewichtige Kinder, mangelnde Umgangsformen und schwindende Kenntnisse über Natur und Ernährung sind Themen, die nicht nur unter Sozialwissenschaftlern diskutiert werden, sondern zunehmend von Pädagogen, Kommunalpolitikern und Verantwortlichen in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen kritisch betrachtet werden. Angesichts der Erfordernisse der Erziehung unserer Kinder zu vollwertigen Mitgliedern einer nachhaltigen Gesellschaft – vollwertig in dem Sinn, dass das Leben aus Rechten und Pflichten besteht und eine Verantwortung zum Schutz unsrer Lebensgrundlagen übernommen werden muss – befürwortet die Umweltakademie Baden-Württemberg eine ganzheitliche Erziehung zur Naturliebe, zur Identifikation mit der Heimat und zum Bewusstsein für unsere Umwelt. Dies sei zudem ein konkretes Mittel gegen zunehmende Verrohung und Gewalt, die manchmal bereits im Vorschulbereich sichtbar werde. Heute gehe es darum, wieder mehr Wissen über Natur, Landschaft und Heimat zu vermitteln. Kinder kennen kaum mehr ein halbes Dutzend Wildpflanzen oder Wildtiere. Kinder kennen kaum mehr den Geschmack frisch geernteter Äpfel oder Birnen und meinen, dass Milch aus dem Kühlregal stamme und Kühe lila seien. Dieser Wissenserosion in Sachen Natur müsse bereits in den Familien und im Kindergarten entgegengewirkt werden, denn nur wer Natur kenne, kann sie auch schützen, so das Credo der Umweltakademie Baden-Württemberg. Nur dann könne später Gestaltungskompetenz in Sachen Natur erwartet werden. Dass im spielerischen Umgang in und mit der Natur auch soziale Kompetenzen geschult werden, liege dann auf der Hand. Somit begrüßt die Umweltakademie den Projektansatz von ECCE HOMO, die sozialen Fähigkeiten wie Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Teamfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft im Zusammenwirken mit dem Naturerlebnis zu erlernen und zu erproben. Denn werden diese Fähigkeiten gelehrt, modellhaft vorgelebt und gelernt, ist soziales Lernen im Kontext der Natur immer auch Gewaltprävention.
Zudem leistet das Spielen in der Natur einen wichtigen Beitrag zur gesunden Entwicklung unserer Kinder (s. Kasten).
Ganz konkret für den Lebensraum Streuobstwiese könne das folgendermaßen aussehen: Durch den Aufbau emotionaler Bindungen zur Natur, zu den Tieren und Pflanzen der Streuobstwiese wie etwa Igel, Steinkauz oder Siebenschläfer lernen die Kinder die Natur kennen, aber auch schätzen. Schon kleine Kinder lernen spielerisch einfache ökologische Abhängigkeiten des Lebensraums Streuobstwiese. Ganz wichtig ist der Umweltakademie beim Lebensraum Streuobstwiese und dem Erhalt dieses alten Kulturlandschaftselementes, dass die Kinder die Natur auch über die dort angebotene Geschmacksvielfalt in Form von Äpfeln, Birnen oder Zwetschgen erfahren und kennen lernen können. Aufgrund vielfachen Konsums zuckerhaltiger Limonaden kennen viele Kinder kaum mehr den natürlichen Geschmack von Apfelsaft. Sie lernen aber auch Kenntnisse, wie die Produkte der Streuobstwiese geerntet und verarbeitet werden können.
Mit dem Titel „Wir und unsere Streuobstwiesen“ übergab die Umweltakademie für jedes Kindergartenkind ein Buch, mit dem bereits im Kindergarten ganz praktisch gearbeitet werden könne. Außerdem ist vorgesehen, Kinder und auch Eltern bei Pflanz- und Pflegemaßnahmen der Bäume und der Wiese einzubinden, damit diese Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen, die zum Erhalt dieses Kulturlebensraums notwendig sind.
Beim Schwieberdinger Projekt zu Naturerlebnis und Gewaltprävention wird durch das Zusammenwirken von Kindergarten, Eltern, kommunalen Verantwortlichen, der Polizei und der Umweltakademie ein partizipatorischer Ansatz deutlich, der genau der jetzt begonnenen UN-Dekade für Bildung für eine nachhaltige Entwicklung entspricht.


Für Rückfragen:

Karin Blessing
Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg
Dillmannstr. 3
70193 Stuttgart
Tel: 0711/126-2808
Fax: 0711/126-2893




Infomaterial

Seitenanfang Seite drucken

Startseite Baden-Württemberg: