Eichelmast als traditionelle Waldweide wird in Hohenlohe

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Eichelmast als traditionelle Waldweide wird in Hohenlohe

Neue Chance für biologische und kulturelle Vielfalt

Baden-Württemberg22.11.2011„Das Wissen um die fast vergessene Form der Waldnutzung durch Eichelmast sollte nicht verloren gehen. Die wiederbelebte Waldweide mit alten Haustierrassen wie dem Schwäbisch Hällischen Landschwein bietet neue Chancen sowohl
zur Produktion von hochwertigem Gourmetfleisch als auch zur Schaffung von interes-santer stuktureller und biotischer Vielfalt in unseren Wäldern.“ Ausgehend von diesem Credo trafen sich jetzt (Mo., 14. November) Tierzüchter, Forst- und Landschaftsexperten und Veterinäre auf Einladung der Umweltakademie Baden-Württemberg, der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg und der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BES) zu einem eintägigen Symposium in Schwäbisch Hall.
Wie alle Haustierrassen wurden bis weit in die Neuzeit auch Schweine im Freiland gehalten und vor allem in den Mastjahren von Eichen und Buchen im Herbst in den Wald getrieben, so Fritz-Gerhard Link von der Umweltakademie. Aus ökologischer Sicht habe die Beweidung der Wälder – auch mit Hausschweinen – eine besondere biologische Vielfalt entstehen lassen. Heute sei die vergessene Freilandhaltung ein Kulturgut, das auch neue Chancen für die Wertschöpfung aus unserer Landschaft bietet, wie Link feststellte. Weil die kulturhistorische Nutzung der Wälder ein besonderes Natur- und Kulturerbe unserer Hohenloher Region darstellt, gilt es dieses genauso zu erhalten“, wie die alte Haustierrasse der Schwäbisch Hällischen Landschwein, so Rudolf Bühler, Vorstandsvorsitzender der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, weiter. Die Eichelmast diene der Veredelung und Er-höhung der Fleischqualität und nicht der Steigerung des Schlachtgewichts, wie Bühler feststellte. Das Fleisch aus der Waldweide sei besonders kernig, würzig und nussig. Deshalb wolle die Erzeugergemeinschaft ein weiteres wirtschaftliches Standbein schaffen und das Fleisch aus der Waldweide bis hin in die Gourmetküche anbieten. Zudem gelte es, den Standort gegen südeuropäische Konkurrenz zu stärken.

Die Wiederbelebung der Waldweide ist nach Darstellung von Prof. Dr. Rainer Luick und Prof. Stefan Ruge, Landschaftsökologen und Forst- sowie Weideexperten von der Hoch-schule für Forstwirtschaft Rottenberg, in extensiver Weise forstlich heute noch tragbar. Denn es gehe nicht darum, Schweinemast im Wald in Dimensionen wie früher üblich zu praktizieren, sondern kleinflächig und selbstverständlich nur im Einklang mit den Waldbesitzern. Kulturhistorisch gesehen, habe es in vielen Regionen über sehr lange Zeiträume eine Landnutzung gegeben, in der in den Wäldern sowohl forstliche als auch landwirtschaftliche Aktivitäten neben- und nacheinander erfolgen. Die wirtschaftli-che einst bedeutsame Waldnutzungsform habe vielerorts sogar das Bild der Laub-wälder mitgeprägt. Die Weidewirtschaft sorgte dafür, dass aus Mittelwald, teils aus Fe-melwald lückige Hutewälder entstanden, die weiträumig mit solitären Eichen und Bu-chen bestockt waren. Es kann gesichert angenommen werden, dass gerade durch die über Jahrtausende bis in die Neuzeit betriebene Schweine(mast)weide der Eichen und Buchenanteil in vielen Waldgesellschaften teils unbewusst gezielt gefördert wurde. Hu-tewälder haben noch im 18. Jahrhundert erhebliche Flächen eingenommen, so Luick. Allerdings muss auch erwähnt werden, dass abgesehen von den intensiv betriebenen direkten Holznutzungen und der Gewinnung von Streuematerial für die aufkommende Stallvie-haltung, die vielfach rücksichtslos ausgeübte Waldweide den Rückgang des Waldes, insbesondere der Laubwälder beförderte. Erst im 19. Jahrhunder mit der Trennung von Wald und Flur, der Intensivierung des Ackerbaus und der Entdeckung der Kartoffel als Mastmittel, habe die Waldmast bei uns an Bedeutung verloren.

Die Schweinehaltung unterscheidet sich von anderen Weidetieren im Wesentlichen durch die Wühltätigkeit, so der Forstexperte. Dadurch schaffen die Tiere ständig neue Nischen und Ausgangsstandorte für die Pflanzenentwicklung. In dem natürlichen Um-feld sind die Tiere nach Feststellung der bei der Tagung anwesenden Tierzüchter bei bester Gesundheit, da durch die Freilandhaltung deren Immunsystem gestärkt wird. Das wirkt sich positiv auf die Qualität des Fleisches aus.

All diese Vorzüge haben die Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall bewogen, die Ei-chelmast an verschiedenen Standorten in Hohenlohe wieder aufleben zu lassen. Wie Rudolf Bühler hervorhob ist dieses Projekt in enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Forstverwaltung entwickelt worden.

Schwäbisch Hällischen Landschweine beweiden z.B. in Junholzhausen ein mehrere Hektar großes Waldstück. Aufgrund tierhygienischer Anforderungen ist der Waldteil doppelt eingezäunt, um Kontakte zwischen Haus- und Wildschweinen zu unterbinden. Mit dieser Einschränkung kann die historische Nutzung so heute wiederbelebt werden. Das war bei einer Ortsbesichtigung auch einhellige Einschätzung der Experten. Damit ist es nach Darstellung der Umweltakademie gelungen, dass die seit fast 20 Jahren von ihr durch Wissenstransfer begleitete Beweidung als kostengünstige Form des Landschaftsmanagements bzw der Offenhaltung der Landschaft auch im Wald eingesetzt werde.


Quelle: Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg

 
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Firtz-Gerhard Link, Umweltakademie, Tel. 0711/126-2816, fritz-gerhard.link@um.bwl.de

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