Rebpatenschaften wirksames Instrument zum Schutz der Mauereidechsen im Neckartal
Umweltakademie lobt Engagement des Weinguts Herzog von Württemberg in Sachen Umweltbildung
28.06.2011Als Weintrinker bezeichnen sich viele, doch wissen sie auch alle, wie Wein wächst und was es mit der Kulturlandschaft Weinberg auf sich hat? Angesichts der Vorstellung der neuen Initiative „Rebpatenschaft“ des Weingut Herzogs von Württemberg lobte Claus-Peter Hutter, Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg und Mitinitiator der Aktion Lebendiger Weinberg das En-gagement des Weinguts in Sachen Umweltbildung und Wissenstransfer.
„Das Wein-Erlebnisland Baden-Württemberg braucht dringend mehr solche Initiativen wie die des Herzogs, gerade auch um die landschaftsprägenden Steillagen-Weinberge, vor allem hier im Neckartal, zu erhalten. Viele trinken zwar den guten Wein gerne, wissen aber gar nicht um die mühevolle Arbeit in den Steillagen entlang des Neckars und die ökologischen Zusammenhänge im Weinberg.“ Doch wer nichts über die Arbeit der Wengerter und das Wachstum der Reben wisse, könne auch nichts zum Schutz dieser alten Kulturlandschaft beitragen. Die Rebpatenschaften des Herzogs seien ein gelungener Baustein zur Aktion „Lebendiger Wein-berg“, um Bevölkerung und Kunden mit dem besonderen Standort „Steillage“ vertraut zu ma-chen, so der Akademieleiter.
Doch nicht nur um die Steillagen an sich geht es Claus-Peter Hutter und seinem Team bei der Umweltakademie, sondern vor allem auch um die Tiere und Pflanzen in den Weinbergen. „In den Steillagen hier an der Neckarschlaufe gibt es eine der größten Populationen an Mauerei-dechsen im Land.“ Die Saurier im Miniformat gelten als gefährdet und es braucht dringend Maßnahmen zu ihrem Schutz. Denn mit den Rebflurbereinigungen der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhundert schwanden nicht nur viele Kleinstrukturen wie Trockenmauern und Lesestein-haufen im Weinberg sondern auch die Mauereidechsen.
„Wenn wir also die sonnenexponierten Steillagenweinberge mit den Trockenmauern erhalten, tragen wir maßgeblich zum Schutz der Mauereidechsen bei, denn ihr Lebensraum wird erhal-ten“, erklärte Hutter. Doch Steillagen sind nicht nur Lebensräume für Mauereidechsen auch viele, teils selten gewordene Pflanzen wie Weinraute, Schwertlilien, Färberkamille oder Haus-wurz sind in der Kulturlandschaft Weinberg heimisch.
„Mit der Aktion Lebendiger Weinberg, die wir gemeinsam mit der staatlichen Lehr- und Ver-suchsanstalt für Obst- und Weinbau Weinsberg, Dem VDP Württemberg sowie mit dem Wein-bauverband Württemberg und den badischen Pendants ins Leben gerufen haben, wollen wir dazu beitragen, dass sowohl in rebflurbereinigten als auch in den Steillagenweinbergen hier am Neckar wieder mehr Tiere und Pflanzen vorkommen. Doch als erster Schritt dafür müssen Wengerter und Winzer, Kunden, aber auch die breite Bevölkerung für die ökologischen Zu-sammenhänge im Weinberg sensibilisiert werden, “ erklärte Hutter. Dazu trage die Initiative Mi-chael Herzogs von Württemberg maßgeblich bei.
Nicht nur die „Rebpatenschaften“, sondern auch die Bewirtschaftung der Steillagenweinberge seit über 1000 Jahren mache das Weingut Herzog von Württemberg zum Vorbild. Wo viele die mühevolle Arbeit längt aufgegeben hätten, halte Michael Herzog von Württemberg mit seinem Team am traditionsreichen Anbau fest und bringe dabei nicht nur erstklassige Weine auf den Markt sondern helfe, das typische Landschaftsbild sowie den Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen zu erhalten.
Steckbrief Mauereidechse:
Saurier im Miniformat – so könnte man die Mauereidechse (wissenschaftlicher Name: Podarcis muralis) treffend beschreiben. Die zierlichen Ahnen der mächtigen Saurier aus der Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) bewohnen bevorzugt sonnige, trockene und warme Standorte wie etwa Weinberg-Steillagen mit ihren Trockenmauern. Nicht umsonst wurde ja die Art als Mauereidechse bekannt. Das abgeflacht aussehende Reptil mit flachem, spitzschnäuzigem Kopf und ausgeprägtem Schwanz wird hierzulande bis zu 20 cm lang. Mauereidechsen sind auf Trockenmauern, Steinriegel, Lesesteinhaufen und andere vertikale Steinstrukturen angewiesen. Sie sonnen sich ausgiebig an exponierten Stellen und sind ausgezeichnete Kletterer. Die kleinen Ritzen, Fugen und Zwischenräume der Mauern und Steine nutzten die flinken Tiere als Versteck, teilweise auch zur Eiablage. Doch mit den Rebflurbereinigungen der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhundert schwanden nicht nur die Kleinstrukturen wie Trockenmauern und Lesesteinhaufen im Weinberg sondern auch die Mauereidechsen. Heute steht die Art unter strengem Schutz und wird in der Roten Liste geführt. Die Mauereidechse ist Reptil des Jahres 2011.
Weitere Informationen zur Aktion Lebendiger Weinberg: www.lebendiger-weinberg.de
Rückfragen
Umweltakademie Baden-Württemberg,
Marion Rapp,
Tel: 0711/126-2814,
Marion.Rapp@um.bwl.de
www.lebendiger-weinberg.de
www.umweltakademie.baden-wuerttemberg.de