Ressourcenschonender Beton als Schlüssel zum nachhaltigen Bauen
Landesweit erste Wohngebäude mit Baustoff-Innovation
07.03.2011Das landesweit erste Geschosswohnungsvorhaben mit ressourcenschonendem Beton (RC-Beton) baut derzeit der Bau- und WohnungsVerein Stuttgart. Nach dem Motto „Aus alt macht neu“ nutzt RC-Beton sekundäre Rohstoffe aus dem Abbruch von Gebäuden. „Dieser Baustoff hilft den Abbau von Kies zu verringern, Transportwege einzusparen und gleichzeitig die Abfallberge zu verringern“, so das Fazit bei der Vorstellung der Baustoff-Innovation beim Fachkongress der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg (Umweltakademie) am Donnerstag (3. März) im Haus der Architekten in Stuttgart. Damit ist nach Mitteilung der Veranstalter ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum zukunftsgerichteten, nachhaltigen Hochbau im Lande eingeleitet worden.
Die zunehmende Innenentwicklung bedeutet eine große Chance für nachhaltiges Bauen gerade in Ballungsräumen, erklärte Rolf Wizgall vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, welches das Pilotvorhaben unterstützt. „Mit dem vermehrt anfallenden Abbruchmaterial aus dem Gebäudealtbestand haben wir eine wichtige Rohstoffquelle nunmehr auch für den Hochbau. Wenn solche wertvollen Sekundärrohstoffe vermehrt in den Stoffkreislauf kommen, reduzieren wir die Bauschuttmengen – sie machen fast 10 Prozent des Abfalls im Lande aus – und schonen wertvollen Deponieraum. Dadurch muss weniger Kies abgebaut werden, was flächenintensive Eingriffe in Natur, Landschaft und den Grundwasserhaushalt erspart. Zudem lassen sich Lkw-Transporte durch kurze Wege zwischen Gebäudeabbruch und -neubau und so Kosten und klimaschädlicher CO2-Ausstoß verringern“, so der Vertreter des Ministeriums.
Die Naturressourcen können tatsächlich schonend eingesetzt werden. Das beweist jetzt ein erfolgreich verlaufenes Modellprojekt in Stuttgart Ostheim, das vom ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg wissenschaftlich begleitet wird. Bei der ersten Hochbau-Großbaustelle Baden-Württembergs errichtet der Bau- und WohnungsVerein Stuttgart (BWV) mehrere Gebäude mit über 100 Wohnungen aus ressourcenschonendem Beton. „Wir möchten mit diesem Bauvorhaben in der Roten-bergstraße einen Impuls in Richtung Nachhaltigkeit geben und helfen, den neuen Baustoff bekannt zu machen“, so Claus Fischer, Technischer Leiter des im Jahr 1866 gegründeten Bau- und WohnungsVereins Stuttgart. Das Engagement für die ökonomische und ökologiche Zukunftssicherung ist vom Verein ohne finanzielle Förderung selbst getragen worden“.
Der ressourcenschonende Beton besitzt nach Darstellung der wissenschaftlichen Fachexperten des Kongresses dieselben Qulitätseigenschaften wie konventioneller Beton. Bei dem Modellhaben wurden dabei die Herstellung und Verarbeitung streng überwacht. Dies gilt für die Gewinnung der benötigten Gesteinskörnungen aus aufbereitetem Abbruchmaterial ebenso wie den gesamten weiteren Stoffstrom dieses Rohstoffs.
Auf diese Weise können von den rund 31 Mio. Tonnen Bauabfällen im Jahr, was etwa drei Viertel des Gesamtabfallaufkomens im Land enspricht, erhebliche Mengen an Baumaterial in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden, wie Rolf Wizgall feststellte. Doch ist dieser ressourcenschonende Baustoff nach Darstellung der Umweltakademie noch viel zu wenig bekannt. „Die Schweiz kann uns Vorbild sein, was Architekten, Bauherren, Bauingenieure und Kommunen erreichen können, wenn trotz der Konkurrenz im Bereich Primärmaterial der RC-Beton dort so stark eingesetzt wird“, erklärten Peter Reinhardt vom Institut Fortbildung Bau der Architektenkammer und Fritz-Gerhard Link von der Umweltakademie.
Rückfragen
Fritz-Gerhard Link, Umweltakademie, Tel. 0711/126-2816, fritz-gerhard.link@uvm.bwl.de
Rolf Wizgall, Ministerium f. Umwelt, Naturschutz und Verkehr, Tel. 126-2691, rolf.wizgall@uvm.bwl.de