Buntes Treiben in den Weinbergen

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Buntes Treiben in den Weinbergen

Weinbaugebiete werden zu Naturerlebnislandschaften: Aktion Lebendiger Weinberg findet begeisterte Anhänger

Baden-Württemberg11.05.2010Stuttgart/Bottwartal. "In den Weinbaugebieten Baden-Württembergs kommt auf vielfache Weise Natur und Kultur zusammen. Doch vielerorts sind viele früher weitver-breitete typische Pflanzen- und Tierarten aus den Rebgebieten verschwunden. Dies soll sich mit der landesweiten Aktion ‚Lebendiger Weinberg‘ ändern“, so Claus-Peter Hutter, Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg und Initiator der Aktion bei der Weinbauexkursion mit den Mitgliedern des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP) Württemberg. Die Umweltakademie hatte zusammen mit dem Vorsitzenden des VDP Württemberg, Gert Aldinger, im Rahmen der bundesweiten Naturerlebniswoche zur Exkursion in Sachen Weinbau, Landschaftsmanagement und ökologische Standortsicherung eingeladen.
„Nun kann man das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, aber verant-wortungsvoll nach vorne bewegen“, so Hutter weiter. Viele kleine Aktionen in den Weinbaugebieten Baden-Württembergs ergäben auch in flurbereinigten Bereichen ein großartiges Ganzes. „Unser Ziel ist es, dass sich nach den VDP-Mitgliedern noch mehr Privatweingüter und Genossenschaften an der Aktion beteiligen.“

Ziel der Aktion „Lebendiger Weinberg“ ist es, wieder mehr biologische Vielfalt in den Weinbergen zu ermöglichen und damit neue Lebensräume für selten gewordene Tiere und Pflanzen zu schaffen. „Wir setzen damit auch im Weinbau Zeichen für einen aktiven Umwelt- und Nachhaltigkeitsdialog“, betonten Hutter und Aldinger. Es gebe viele Möglichkeiten auch in flurbereinigten Weinbaugebieten, neue ökologische Nischen für Lebensraumspezialisten wie Schwalbenschwanz-Falter, Zaun- und Mauereidechse sowie die typische Weinbergbegleitflora zu schaffen. Dazu gehören auch viele, fast schon vergessene und deshalb vom Aussterben bedrohte frühere Nutzpflanzen, welche einst für Weinberge typisch waren, wie etwa Weinraute, Weinberglauch, Kermesbeere, Färberkamille und Gewürzsalbei. Daneben hat so manche frühere Gartenpflanze im Laufe der Jahrhunderte Eingang in die Weingärten gefunden. Hierzu gehören neben Traubenhyazinthe die Deutsche Schwertlilie, die Holunderschwertlilie und in manchen Gebieten der Goldlack. Auch viele verschiedene Wildpflanzen, die früher zu den Weinbergen gehörten, benötigen sonnenverwöhnte Lebensräume. Dazu gehören Fetthenne und Mauerpfeffer, Frauenlein, Wilder Majoran und Weinbergnelke. Wichtig – so die Initiatoren – sei es, dass aus den Weinbergen keine Ersatzgartenschau gemacht werde, sondern dass man auf einheimische und standortgerechte Arten achte.

Gert Aldinger, Mitinitiator der Aktion „Lebendiger Weinberg“, machte bei der Exkursi-on deutlich, dass die Wengerter als Produzenten des Naturproduktes Wein auch in besonderer Weise der Natur verpflichtet seien. Bei der Exkursion im Bottwartal und am Neckar konnten Anpflanzungen des Weingut Strenger an der Burg Lichten-berg/Oberstenfeld, des Weingut Schloßgut Beilstein der Familie Hartmann Dippon ebenso in Augenschein genommen werden wie am Weingut Burg Wildeck der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg, am Weingut Graf Adelmann auf Burg Schaubeck und an den mit Natursteinmauern terrassierten Steillagen von Herzog Michael von Württemberg in Mundelsheim. Nachdem die VDP-Betriebe bereits vergangenes Jahr Weinbergbegleitpflanzen ausgebracht haben, kommt das Projekt jetzt in eine neue Phase.
Auch andere Privatweingüter und Genossenschaften haben damit begonnen, etwa an Wegekurven, die ohnedies nur mühsam zu bewirtschaftenden, kurzen Rebreihen, die mitunter nur vier bis fünf Stöcke zählen, zu entfernen, um Steinriegel oder Steinhaufen sowie Gehölzpflanzungen – etwa mit Quitten und Weinbergpfirsichen – anzulegen.
„Möglichkeiten gibt es viele, sie müssen nur verwirklicht werden“, so Dr. Günter Bä-der, Direktor der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg. Bäder hatte gemeinsam mit der Umweltakademie die Bausteine zur Akti-on entwickelt und auch erprobt.
Im Rahmen der Exkursion konnte auch eine erfolgreiche Zwischenbilanz zum um-weltschonenden Weinbau gezogen werden. Durch die mittlerweile auf 90 % der Weinbauflächen angewandte Verwirrmethode zur Eindämmung des Traubenwicklers konnte der Insektizideinsatz so gut wie auf Null zurückgeführt werden, unterstrich Bäder. Nach einer ersten Phase, die Bodenbegrünung zu etablieren, gelte es jetzt verstärkt, auf eine vielseitige Artenzusammensetzung zu achten, so Bäder weiter.
„Wenn man bedenkt, dass es in Baden-Württemberg 27.000 Hektar Rebfläche gibt, dann sind dies ganz erhebliche Potentiale, um das Genießer- und Naturerlebnis-land im Sinne einer ökologischen Standortsicherung noch mehr als bislang aufzuwerten“, ergänzten C.-P. Hutter und Aldinger.
Dass „Lebendige Weinberge“ einen bedeutenden Beitrag zur Umwelt- und Lebens-qualität und zur grünen Infrastruktur der Region Mittlerer Neckar leisten, unterstri-chen der Landrat des Landkreises Ludwigsburg, Dr. Rainer Haas, und der Leitende Technische Direktor des Verbandes Region Stuttgart, Thomas Kiwitt.
Um die Aktion in die Fläche zu bringen, wurde bei der Umweltakademie u.a. eine Homepage zur Aktion „Lebendiger Weinberg“ geschaffen. Dort wird in Kürze eine Tauschbörse für alte, vom Aussterben bedrohte Weinbergpflanzen eingerichtet. Au-ßerdem wurde eine Wanderausstellung konzipiert, die bei der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg, beim VDP Württemberg sowie beim Weinbauverband Württemberg – aber auch bei den jeweiligen badischen Pendants – ausgeliehen werden kann. Der Leitfaden „Lebendiger Weinberg“ der Umweltakademie, herausgegeben von der LBBW Stiftung, gibt detailierte Anleitungen zu konkreten Maßnahmen.
Homepage: www.lebendiger-weinberg.de

Die Broschüre „Lebendiger Weinberg“ als Praxisleitfaden (76 Seiten) kann gegen Zusendung von 1,45 € in Briefmarken als Rückporto direkt angefordert werden bei:
Stiftung Landesbank Baden-Württemberg:
Natur und Umwelt
70144 Stuttgart


Quelle: Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg

 
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Marion Rapp, Tel. 0711/126-2816

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