Landschaft pflegen, Energie gewinnen
Aus Grünabfällen Wärme und Strom gewinnen
22.04.2010Stuttgart/Bad Waldsee. „Vieles was bisher als Abfallprodukt aus der Landschaftspflege noch Kosten verursachte, lässt sich inzwischen energetisch verwerten“ so die Akade-mie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg (Umweltakademie) anlässlich der Tagung „Stand und Perspektiven zur Verwertung von Biomasse aus Landschafts-pflege-Maßnahmen“. Vom Schnittholz und Rinde aus der Pflege von Bäumen oder Feldhecken über Aufwüchse von Moorwiesen oder Trockenrasen bis hin zu Schilf reicht die Palette an Bio-Rohstoffen zum Heizen und zur Stromerzeugung. Bei der in Zusammenarbeit mit PLENUM Allgäu-Oberschwaben (Projekt des Landes zur Entwicklung von Natur und Umwelt) organisierten Fachtagung berichteten in der Schwäbischen Bauernschule Bad Waldsee über 30 Experten aus Wissenschaft, Landmaschinen-Technik, Land- und Forstwirtschaft sowie Naturschutzpraxis über die klimafreundliche Nutzung von Grünschnitt-Abfall. Die Verwertung zusätzlicher Biomasse gerät zunehmend ins Blickfeld von Forschung und Praxis. Diese Nutzung macht allerdings bei flächiger Abräumung Probleme, da dann die Lebensräume für Fauna und Flora beeinträchtigt werden.
Die Vorstellung von landesweit herausragenden Modellprojekten hat gezeigt, dass Grünabfälle zunehmend als nachwachsende Rohstoffe gesehen und zunehmend genutzt werden. Diese helfen, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, so die Umweltakademie. Es komme nur darauf an, kostenlose Naturstoffe mit innovativer Technik energetisch sinnvoll zu nutzen. So lässt sich die Gärwärme beim bislang ungenutzt kompostierten Schilf zur Erwärmung von Wasser in einem Nahwärmekraftwerk nutzen. Ein schilfnahgelegener Ort mit fast 1.000 Einwohner lässt sich mit einer so verfügbaren Schilfmenge dann vom Kraftwerk mittels einer Ringleitung klimaneutral heizen. Das ermöglicht der hohe Heizwert von Schilf, der ähnlich hoch wie beim Holz ist. Ein Ballen dieses idealen Energieträgers entspricht in etwa 140 Liter Heizöl. Zudem kann aus dem Wärmekraftwerk auch Strom erzeugt wer-den.
Eine andere Form der Wärmeerzeugung hat das erste Bioenergiedorf des Landes, der Immendinger Ortsteil Mauenheim, gewählt. In dem Pilotprojekt wird die kostenlose Ab-wärme einer Biogasanlage sowie einer Hackschnitzelanlage über ein von der öffentli-chen Hand finanziertes Nahwärmenetz genutzt. Durch die beiden Einrichtungen zahlen die Hauseigentümer den halben Preis, der bei einer Ölheizung anfällt. So werden jährlich 250.000 Liter Heizöl und 2.000 Tonnen CO2 eingespart.
Ein weiterer kostenloser Energieträger fällt bei der Pflege von Feldgehölzen und Bäu-men, etwa an Straßenrändern, an. Wie ein bei der Tagung vorgestelltes Modellprojekt aus dem Südschwarzwald zeigte, wird diese bislang verkompostierte Biomasse nun auch in einem Wärmekraftwerk genutzt. So können durch 2,5 kg Holz aus der Landschftspflege etwa 1 Liter Heizöl ersetzt werden. Bundesweit steht eine Menge von etwa 270 000 t Landschaftspflegeholz zur Verfügung. Damit lassen sich bundesweit mindestens 110 Mio. Liter (oder 92 6000 t) Heizöl als nicht regenierbarer Rohstoff ein-sparen. Auch das lange nutzlos verbliebene Mähgut von extensiv bewirtschafteten Wiesen erfährt zunehmend Wertschätzung als Wärmelieferant. Führt man den unge-düngten Grünlandaufwuchs der Verbrennung zu, so spart man gegenüber der Wärmenutzung aus Heizöl über 80 % an Energie und Treibhausgasen ein.
Nach Mitteilung der Umweltakademie hat die Expertenrunde mit der Vorstellung von Pilotprojekten gezeigt, dass sich heute das Pflegematerial von Feldgehölzen, Obstbäu-men bis hin zu Halbtrockenrasen und Moorwiesen mit kreativen Konzepten klimafreundlich nutzen lässt. Für die Fortentwicklung der Nutzung erneuerbarer Energie ist es gelungen, die vorgestellten Projekterfahrungen und -technologien zu verknüpfen, um so den Herausforderungen bei der Logistik, Technik und Vermarktung besser begegnen zu könenn. Die aus der Landschaftspflege anfallende Biomasse bietet neben positiven Naturschutzwirkungen willkommene Effekte:sie ersetzt und schont fossile Brennstoffe und ermöglicht so eine Wertschöpfung in der Region. Die von der Umweltakademie und PLENUM Allgäu-Oberschwaben organisierte Dialogveranstaltung hat durch den Wissentransfer wichtige Impulse für die Praxis ermöglicht.
Rückfragen
Fritz-Gerhard Link, Umweltakademie,
Tel. 0711/126-2816, fritz-gerhard.link@uvm.bwl.de
Werner Sommerer, PLENUM Allgäu-Oberschwaben, Tel. 0751/859676,
sommerer@plenum-ravensburg.de