Ausgangslage
Baden-Württemberg verfügt über vielfältige Böden mit sehr unterschiedlichen natürlichen Eigenschaften. Sie haben sich in Abhängigkeit von Ausgangsgestein, Klima, Geländeform und menschlichem Einfluss über Jahrtausende hinweg gebildet und sind die natürliche Lebensgrundlage von Menschen, Tieren und Pflanzen. Boden ist nicht vermehrbar, kaum reparabel und nur langsam regenerierbar. Als Standort für Pflanzen dient er der Ernährung und dem Naturschutz. Wertvolle ökologische Dienste leistet er als Filter und Puffer für Schadstoffe und Ausgleichskörper im Wasserkreislauf.
Die Bodenlandschaften in Baden-Württemberg sind vielfältig und weitgehend intakt. Doch zugleich sind diese Böden in Bestand und Qualität bedroht, gerade weil es sich um eine begrenzte, nicht erneuerbare Ressource handelt. Neben einer Versiegelung und weiteren Funktionsverlusten durch Überbauung sind es die Einträge von Schadstoffen, die trotz umfangreicher Gegenmaßnahmen auch heute noch zu einer anhaltenden, oft schleichenden Verschlechterung der Bodenqualität führen. Auch physikalische Bodenbelastungen wie Erosion und schädliche Verdichtungen bleiben in Baden-Württemberg ein anhaltendes Problem.
Die stoffliche Belastung von Böden ist stark standortabhängig und teilweise vom geogenen Schwermetallhintergrund der Böden selbst geprägt. Neben diffusen Schadstoffeinträgen führen auch zahlreiche einzelne lokale oder regionale Einwirkungen und Nutzungen zu einem differenzierten Muster an Bodenbelastungen. Eine Verschlechterung der Bodenqualität und damit auch die zunehmende Gefahr von Bodenfunktionsverlusten bestehen im Einzelnen durch
- atmosphärische Säureeinträge und damit Versauerung von Böden, insbesondere bei Waldflächen oder extensivierten Flächen,
- diffuse Schadstoffeinträge in Forstböden aufgrund des „Auskämmeffektes“ durch die Baumkronen,
- Schadstoffeinträge aus Verkehrsemissionen, insbesondere polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in straßennahe Böden,
- Schadstoffeinträge über Düngung sowie organische und mineralische Abfälle z. B. durch Klärschlammaufbringung. Eine kontinuierliche Aufbringung von Klärschlamm erhöht das Risiko von Schadstoffanreicherungen. Klärschlamm als Schadstoffsenke enthält viele umweltbedenkliche Stoffe. Der vorsorgende Schutz der Böden kann über die bestehende Klärschlammverordnung, die nur wenige Schadstoffe limitiert, nicht ausreichend sichergestellt werden.
Bedeutende Bodenbelastungen liegen ferner in Gebieten historischer Erzbergbaureviere vor. Eine Sanierung ist aufgrund ihrer großen Flächenausdehnung, Schätzungen gehen von nahezu 20.000 Hektar aus, nicht möglich. Die gestiegenen Anforderungen an die Qualität von Nahrungs- und Futtermitteln können an diesen Standorten zu Nutzungseinschränkungen führen.
Böden stehen im Ökosystem an zentraler Stelle und haben als Naturkörper vielfältige Funktionen im Naturhaushalt zu erfüllen. Auch für den Menschen ist der Boden eine unentbehrliche Lebensgrundlage. Großflächige Bodenverschlechterungen oder Bodenschäden, zum Beispiel infolge von Schadstoffeinträgen oder Erosion, sind in aller Regel nicht reparabel. Der vorsorgende Bodenschutz hat daher für das Land Baden-Württemberg hohe Priorität.
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