Didaktik
Übertragen auf den Klimaschutz als Bildungsziel bedeutet dies: Eine Konzentration auf die Wissensvermittlung würde z.B. im Unterrichtsfach Geographie Grundkenntnisse über den Treibhauseffekt vermitteln und mögliche Klimaschutzmaßnahmen aufzählen. Beim Ansatz der Handlungsorientierung lernen die Schüler hingegen die richtige Bedienung von Thermostatventilen in ihrem Klassenraum und kümmern sich um die Organisation weiterer Energieeinsparung in ihrer Schule und/oder ihrem sonstigen Einflussbereich. Die Durchführung eines Energiesparprojekts folgt dem letzten Ansatz. Trotzdem ergänzen sich beide Ansätze und lassen sich folgendermaßen ausgestalten:
- Einbindung des Themas Klimaschutz und Energie in den Fachunterricht
Die Einbindung des Themas Energie ist in allen Schulzweigen in viele Schulfächer möglich. Nachfolgend finden Sie Anknüpfungspunkte, wie sie in den neuen Bildungsstandards gefordert werden:
Grundschule
Gymnasium
Hauptschule und Werkrealschule
Realschule
- Handlungsorientierter Unterricht
Handlungsorientierung in Lernprozessen erfordert, den Schülerinnen und Schülern komplexe, sinnvolle Problemstellungen anzubieten, die an die Interessen, das Vorwissen und die Alltagserfahrungen der Lernenden anschließen. In diesen anspruchsvollen Aufgabenstellungen soll die Ganzheitlichkeit von Planung, Ausführung und Kontrolle enthalten sein. Statt eines vorwiegend verbalen Unterrichts können die Schüler kreativ werden und Erfahrungen durch Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit im Rahmen von Lernaufgaben, Projekten, Erkundungen, Plan- und Rollenspielen und Fallstudien sammeln. Der "Handlungs-Raum wird so über das Klassenzimmer hinaus ausgedehnt.
Handlungsorientierung nutzt Konzepte des offenen Unterrichts. Dazu zählen offene Zeitstruktur, Prozessorientierung des Unterrichts und Interessenorientierung im Sinne altersabhängiger und damit zunehmender Beteiligung der Schülerinnen an unterrichtlichen und schulischen Entscheidungen. Wichtig sind Handlungs- und Situationsorientierung, denn nur aktuelle, anregende Situationen mit ihren realen Problemen und Widerständen münden in engagiertes Handeln. Die kommunikative und ästhetische Orientierung des Unterrichts oder Lerngeschehens ist ebenfalls wichtig. Sie soll allerdings nicht unbedingt selbst zum Lerngegenstand gemacht werden, sondern zum selbstverständlichen Mittel zur Darstellung und zur Reflexion des Lernprozesses werden.
Handlungsorientierung ist ein Konzept, eine Orientierung, aber keine Methode. Die Lernenden sollen zur Selbstorganisation befähigt werden. Der Sinn der Lernangebote muss verdeutlicht werden, damit die Lernenden nach Möglichkeit an Planung und Auswertung des Lernens beteiligt werden können. Sie sollen u.a. lernen, ihr Verhalten und Lernhandeln selbstkritisch zu reflektieren, um dadurch ihre methodischen Kompetenzen weiterentwickeln zu können.
Handlungsorientierung stellt das Gegenstück zur Fachorientierung dar. Sie bedeutet, die Formen des ganzheitlichen Lehrens und Lernens - also den kognitiven, affektiven und psychomotorischen Lernbereich gleichzeitig - zu nutzen. Lebendiges Lernen soll realisiert werden. Dies erfordert auch eine Veränderung der tradierten Lehrer-Schüler-Rolle. Lehrer werden zunehmend zu Moderatoren in den Lernprozessen, und sie werden gleichzeitig auch wieder selbst zu Lernenden.
Hinweise zu Fragen der Kommunikation und Moderation finden Sie hier:
Hinweise zur Moderation
Das Konzept der Handlungsorientierung birgt viele neue Chancen für zeitgemäßes Lernen und Lehren. Es hat jedoch auch theoretische wie unterrichtspraktische Grenzen. Traditionellere Unterrichts- und Lehrmethoden wie Lehrervortrag und fragend-entwickelnde Lehrstrategie haben im Rahmen des handlungsorientierten Lernens dort ihren berechtigten Stellenwert, wo sie sich sinnvoll in das didaktische Gesamtkonzept der Handlungsorientierung einfügen. Das können zum Beispiel Phasen der begrifflichen Reflexion und die Systematisierung von Handlungserfahrungen sein. Guter Unterricht - und das gilt auch für unterrichtsunabhängige Projektarbeit in der Schule - integriert Fach- und Handlungsorientierung, er lässt beide Ansätze einander flexibel ergänzen.
[nach: Energieeinsparung in Schulen in NRW, Band I]