Fazit zum Projekt

    

Fazit zum Projekt

von Lothar Eisenmann, IFEU-Institut Heidelberg

Die im Rahmen des KLARA-Projekts erstellten Regionalszenarien sind etwas Neues. Die bisherigen Klimamodelle bezogen sich in ihren Aussagen auf globale oder kontinentale Bereiche. Deshalb sind die Ergebnisse von KLARA erklärungsbedürftig.


Was aus KLARA nicht folgt:


Beim Projekt KLARA handelt es sich um ein Szenario. Dabei wird untersucht, wie sich ein System unter bestimmten Randbedingungen entwickeln kann. Dies darf nicht mit einer Prognose verwechselt werden, die auf der wahrscheinlichsten Entwicklung eines Systems beruht.
Aber wie wird sich das Klima in Baden-Württemberg tatsächlich entwickeln? Auch nach Vorliegen der Ergebnisse von KLARA lässt sich das nicht mit Sicherheit sagen, aber die aufgezeigten Entwicklungen werden mittlerweile auch von anderen Modellergebnissen bestätigt.

Ein Beispiel zeigt, wo Probleme bei Szenarien auftreten können. Vor etwa 10 bis 15 Jahren zeigten Szenarien, die die Energieverbrauchsentwicklung von Kommunen untersuchten, dass der Stromverbrauch privater Haushalte aufgrund der verbesserten Energieeffizienz neuer Elektrogeräte zukünftig abnehmen werde. Und zwar sogar dann, wenn keine weiteren Maßnahmen zur Stromeinsparung getroffen werden. Das Ergebnis des Szenarios war unter den damals vorgegebenen Rahmenbedingungen auch völlig richtig. Heute müssen wir feststellen, dass der Stromverbrauch in Haushalten tatsächlich zunimmt. Dies liegt an einer immer weiter steigenden Geräteausstattung der Haushalte (Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Computer), die den geringeren Verbrauch der einzelnen Geräte überkompensiert. Diese Entwicklung konnte bei Erstellung des Szenarios nicht ausreichend berücksichtigt werden, da wichtige Informationen über die Entwicklung der Computertechnik oder die (sinkenden) Anschaffungskosten für elektrische Geräte gar nicht vorlagen.

So sind auch bei KLARA viele Ausgangsdaten berücksichtigt, die den Kenntnisstand des Jahres 2005 und die vorausgehende Entwicklung umfassen. Überraschende Effekte, die heute noch unbekannt sind, führen möglicherweise zu ganz anderen Folgen des Klimawandels in Baden-Württemberg als den im Rahmen des Szenarios berechneten.


Was aus KLARA folgt:


Dennoch sind die Ergebnisse von KLARA interessant. Sie lenken den Blick von den weltweiten aber aus deutscher Sicht meist weit entfernten Folgen des Klimawandels vor die eigene Haustür. KLARA zeigt, dass der Klimawandel auch bei uns stattfindet und Einfluss auf unser Leben nimmt. Außerdem ist das Modell einer der Prototypen einer verfeinerten Modellierung der Klimaentwicklung.

Am Beispiel des Projekts KLARA kann vor allem Schülerinnen und Schülern sehr gut aufgezeigt werden, wie Wissenschaft funktioniert. Das Ergebnis einer einzelnen Studie oder eines einzelnen Experiments ist eben nicht unumstößlich und der Weisheit letzter Schluss. Wissenschaftlich haltbare Erkenntnisse wachsen aus einer größeren Zahl von Forschungsergebnissen, die ähnliche oder gleiche Ergebnisse liefern.

Dies zeigt sich am Beispiel der globalen Klimamodelle. Die Ergebnisse der ersten Szenarien, die einen weltweiten Temperaturanstieg anzeigten, wurden noch stark angezweifelt. Fehler und Randeffekte wurden bei der Weiterentwicklung der Modelle berücksichtigt. Mittlerweile haben Klimaforscher auf der ganzen Welt verfeinerte Modelle entwickelt und kommen innerhalb bestimmter Fehlergrenzen zu den gleichen Ergebnissen. Dass es im Laufe des Jahrhunderts zu einer Erwärmung der Erde kommen wird, zweifeln Fachleute heute auf der ganzen Welt nicht mehr an. Dazu wurden zu viele übereinstimmende Ergebnisse aus Klimamodellierungen erzeugt.

Die Ergebnisse von KLARA sind deshalb nicht geeignet, um Schülerinnen und Schülern lernen zu lassen, wie das Klima im Jahr 2055 in Baden-Württemberg sein wird. Es bietet sich aber an, die Möglichkeiten und Grenzen von wissenschaftlichen Vorhersagen zu untersuchen. Außerdem können die regionalen Folgen des Treibhauseffekts diskutiert werden. Das abstrakte Thema "Klimawandel", das wir mit menschlichen Sinnen nur schwer wahrnehmen können, bekommt so einen persönlichen Bezug, der dringend benötigt wird, damit aus Wissen auch zielgerichtetes Handeln werden kann.

 
 

Baden-Württemberg: