Tanja Gönner und Landwirtschaftsminister Peter Hauk stellen Ergebnisse der landesweiten Grundwasserüberwachung vor
Positive Entwicklung: Grundwasservorräte wieder aufgefüllt
07.09.2007Umweltministerin Tanja Gönner und Landwirtschaftsminister Peter Hauk stellten heute (7. September 2007) in Stuttgart den Jahresbericht 2006 zur Grundwasserüberwachung vor. "Die Grundwasservorräte haben sich nach dem trockenen Jahr 2003 wieder erholt. Die Grundwasserspiegel haben das langjährig durchschnittliche Niveau erreicht. Das ist eine positive Entwicklung", erklärte Umweltministerin Gönner. Vor allem in den Monaten Februar bis Juni 2006 hätten sich größere Grundwassermengen gebildet. In diesem Jahr sei eine weitere Stabilisierung der Grundwasserverhältnisse zu erwarten. "Der weitere Schutz von Böden und Grundwasser wie auch die Überwachung bleiben dennoch eine Daueraufgabe", betonten Gönner und Hauk. Die LUBW - Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg untersucht regelmäßig an landesweit rund 2.200 Messstellen das Grundwasser und wertet die Daten systematisch aus.
Trotz der auch in Baden-Württemberg zunehmend spürbaren Auswirkungen des Klimawandels bestehe derzeit kein Anlass zu befürchten, dass die Wasserversorgung in absehbarer Zukunft gefährdet sein könnte, so Umweltministerin Gönner. Jahreszeitliche Verschiebungen in den Niederschlägen seien nach den vorliegenden Klimaprognosen in den kommenden Jahrzehnten allerdings zu erwarten. So könnten in den Wintermonaten die Regenmengen um bis zu 30 Prozent zunehmen, während in den Sommermonaten eine deutlichen Zunahme längerer Trockenperioden zu erwarten sei. "Das wird sich auf die Wasserwirtschaft auswirken. Über das Monitoring wird sichergestellt, dass etwaige Veränderungen frühzeitig erkannt werden." Etwa drei Viertel des gesamten Trinkwasserbedarfs im Land werde aus dem Grundwasser gespeist, betonte Landwirtschaftsminister Hauk. "Die Überwachung leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Qualität des Trinkwassers."
Sorgenkind: Nitratbelastung:
Sorge bereite die weiterhin hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat, so Umweltministerin Gönner. "Wir stellen bei den Werten zwar einen fallenden Trend fest. Dennoch wurde die Qualitätsnorm der EU von höchstens 50 Milligramm Nitrat pro Liter Grundwasser immer noch an jeder neunten Messstelle überschritten. Es bleibt weiterhin eine vordringliche Aufgabe, den Eintrag von Nitraten vor allem über die Landwirtschaft weiter zu verringern." Die mittlere Nitratkonzentration von Messstellen in Wasserschutzgebieten hat von 1994 bis 2006 um 13,4 Prozent und außerhalb von Wasserschutzgebieten um 11,9 Prozent abgenommen. In den seit 2001 ausgewiesenen Sanierungsgebieten mit den höchsten Belastungen seien die größten Erfolge der so genannten Schutzgebiets- und Ausgleichverordnung (SchALVO) zu beobachten. "Die Ausgleichszahlungen an die Landwirte für einen sorgfältigen Düngemitteleinsatz zeigen Wirkung. Die Maßnahmen zur Reduzierung der Nitrateinträge greifen zunehmend. Das ist ein gutes Steuerungsinstrument. Da müssen wir dran bleiben", so Landwirtschaftsminister Hauk.
Bei Pflanzenschutzmittel geraten zunehmend die Abbauprodukte ins Visier:
Die Belastung mit Pflanzenschutzmitteln sei in den vergangenen Jahren insgesamt merklich zurückgegangen, so Umweltministerin Gönner und Landwirtschafsminister Hauk. "Allerdings beobachten wir mit Sorge die Funde von Abbauprodukten von zwei häufig eingesetzten Pflanzenschutzmitteln." Anfang dieses Jahres habe man sich mit den Herstellern darauf verständigt, das Pflanzenschutzmittel Chloridazon aus Vorsorgegründen in sensiblen und für die Trinkwassergewinnung bedeutsamen Gebieten nicht mehr anzuwenden. Für das Pilzbehandlungsmittel Tolylfluanid wurde vom Bundesamt für Verbraucherschutz das Ruhen der Zulassung angeordnet. Das Mittel wurde bislang bei Reben- und Obstkulturen eingesetzt, so Landwirtschaftsminister Hauk. "Die Mittel haben zwar eine gute Wirksamkeit und sind breit eingeführt. Es gibt aber Alternativen, bei denen die in den Untersuchungen gefundenen Abbauprodukte nicht entstehen." Neben der Untersuchung der Grundwasserproben auf Pflanzenschutzmittel solle künftig verstärkt nach Abbauprodukten gefahndet werden, kündigten Umweltministerin Gönner und Landwirtschaftsminister Hauk an. "Die Untersuchungen zeigen, dass es zu kurz greift, die Konzentrationen von Pflanzenschutzmitteln zu überprüfen. Es können sich bei den Abbauprozessen neue Produkte in anderer chemischer Zusammensetzung bilden und anreichern. Dieser Komplexität wollen wir künftig verstärkt Rechnung tragen." Weiterhin Augenmerk in den Grundwasseruntersuchungen werde außerdem der zunehmend verbreiteten Industriechemikalie PFT (Perfluorierte Tenside) geschenkt. Insgesamt seien PFT im Grundwasser kein flächendeckendes Problem, betonte Gönner. Ein punktuelles Auftreten sei allerdings durchaus möglich. In diesem Jahr wurden bereits erhöhte Konzentrationen der gesundheitsschädlichen Chemikalie bei Klärschlammuntersuchungen gefunden. Eine Auswaschung in Böden und Grundwasser sei nicht auszuschließen. "Deshalb wird es dazu auch künftig regelmäßige Untersuchungen geben."
Erneut Arzneimittelrückstände im Grundwasser festgestellt:
Im Grundwassermessnetz würden darüber hinaus regelmäßig 22 ausgewählte Messstellen auf Arzneimittelrückstände untersucht, erläuterte Gönner. "Insgesamt 16 der Messstellen waren mit bis zu sieben Wirkstoffen belastet." Das Schmerzmittel Diclofenac und Carbamazepin, ein Mittel gegen epileptische Anfälle, wurde im vergangenen Jahr erneut am häufigsten nachgewiesen. "Die gefundenen Konzentrationen stellen für den Menschen zwar keine Gefährdung dar. Aus Gründen der Umwelt- und Gesundheitsvorsorge muss der Eintrag dieser Stoffe jedoch so weit wie möglich vermieden werden." Über das Abwasser könnten Arzneimittel ins Grundwasser gelangen. Nicht mehr benötigte Medikamente sollten deshalb mit dem Restmüll und nicht über das Abwasser entsorgt werden, so Gönner. Gemeinsam mit dem Landesapothekerverband wolle man noch in diesem Herbst eine Informationskampagne zur sachgerechten Entsorgung nicht mehr gebrauchter Arzneimittel starten.
Ergänzende Hinweise:
In der Grundwasserüberwachung gibt es ein landesweites Netz von 2.200 Messstellen. Das Messnetz wird durch Meldungen von rund 1.700 Messstellen der Wasserversorgungsunternehmen ergänzt.
Hauptbelastungsfaktor für das Grundwasser in der Fläche sind durch Pflanzendüngung eingetragene Nitrate. Etwa ein Viertel der Landesfläche ist als Wasserschutzgebiet ausgewiesen; abhängig von der Nitratbelastung erfolgt eine Einteilung in: Normalgebiete (80 Prozent der Wasserschutzgebietsfläche)
sowie Problem- und Sanierungsgebiete (20 Prozent der Wasserschutzgebietsfläche)
Über die Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO) werden den Landwirten jährlich rund 22 Millionen Euro Ausgleichsleistungen für eine Gewässer schonende Bewirtschaftung der Flächen in Problem- und Sanierungsgebieten zur Verfügung gestellt.
Verdachtsmessstellen sind Messstellen, die aufgrund ihrer Nähe zu potentiellen Schadstoffquellen am ehesten positive Befunde erwarten lassen. Diese Messstellen sind insoweit für das ganze Kollektiv der Messstellen oder gar für die Trinkwasserversorgung nicht repräsentativ, jedoch sind sie für die Beobachtung und Vorsorge unverzichtbare Indikatoren.
Der Bericht "Grundwasser-Überwachungsprogramm 2006" kann beim Umweltministerium unter der Faxnummer 0711/126-2880 angefordert und unter www.lubw.baden-wuerttemberg.de Stichwort: Grundwasser eingesehen werden.