Umweltministerium: Erhöhte Werte an Perfluorierten Tensiden (PFT) im Klärschlamm der Kläranlage Schiltach

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Umweltministerium: Erhöhte Werte an Perfluorierten Tensiden (PFT) im Klärschlamm der Kläranlage Schiltach

Tanja Gönner will weitere Untersuchung: Klärschlamm gehört nicht auf Äcker und Böden

Baden-Württemberg20.03.2007Nach heutiger Mitteilung des Umweltministeriums hat die LUBW - Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg - in Klärschlamm der Kläranlage Schiltach (Landkreis Rottweil) erhöhte Werte der Chemikalie PFOS festgestellt. PFOS zählt zur Chemikaliengruppe der Perfluorierten Tenside, die wegen ihrer schmutz-, farb-, fett-, öl- und wasserabweisenden Eigenschaften in zahlreichen Industrie- und Konsumprodukten verwendet werden. Der Höchstwert lag bei fünf Milligramm pro Kilogramm Klärschlamm in der Trockenmasse. Im vergangenen Jahr wurden in Gewässern in Nordrhein-Westfalen erhöhte Werte der Chemikalien gefunden. Der in Schiltach gemessene Wert übersteigt den seither in Nordrhein-Westfalen für die Aufbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau geltenden Richtwert um das 50fache. Die Messungen der LUBW erfolgten im Rahmen eines Ende 2006 angelaufenen Untersuchungsprogramms zur Feststellung von Chemikalienrückständen in der Umwelt. Nach derzeit vorliegenden Erkenntnissen bestehe keine unmittelbare Gefahr für Umwelt und Gesundheit der Menschen. Der PFT-belastete Klärschlamm ist nach derzeitiger Kenntnislage nicht auf Äcker und Felder aufgebracht, sondern vorrangig im Landschaftsbau eingesetzt worden.

"Die Verwendung des Klärschlamms ist lückenlos zu klären. Außerdem muss die Herkunft der Chemikalie ermittelt werden", erklärte Umweltministerin Tanja Gönner. Ein Aufbringungsverbot für den Klärschlamm sei bereits am vergangenen Freitag angeordnet worden, nachdem erste vorläufige Messergebnisse auf eine Belastung hindeuteten. Umweltministerin Tanja Gönner kündigte weitere Untersuchungen im Land von Abwasser und Klärschlämmen auf PFT an. "Bei den bislang vorgenommenen Stichprobenuntersuchungen wurden im Abwasser keine erhöhten Werte gemessen. Das hat sich nun geändert. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch in anderen Anlagen erhöhte Werte vorhanden sind."

Die aktuellen PFT-Funde bestätigten die restriktive Haltung des Landes beim Einsatz von Klärschlamm als Düngemittel in der Landwirtschaft und als Substrat im Landschaftsbau, so Umweltministerin Gönner. "In der Abwasserreinigung wird mit großer Sorgfalt und hohem technischem Aufwand das Wasser von Schadstoffen gereinigt. Der daraus entstehende Klärschlamm hat nichts auf Böden zu suchen. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Klärschlamm und die darin enthaltenen Schadstoffe nicht wieder zurück in den Naturkreislauf und die Nahrungskette gelangen." Dabei müsse auch ein generelles Aufbringungsverbot für Klärschlamm in Betracht gezogen werden. "Ich wäre sehr dafür, nach einem festzulegenden Zeitplan bundesweit den kompletten Ausstieg aus der Klärschlammdüngung vorzuschreiben, sobald dies europarechtlich möglich ist", so die Umweltministerin. Dass dies möglich sei, würden die Erfahrungen im Land belegen. So sei nach einer vorläufigen Statistikerhebung im Jahr 2006 der Anteil des thermisch verwerteten Klärschlamms landesweit gegenüber dem Jahr 2001 von 31 Prozent auf nunmehr etwa 75 Prozent gestiegen. "Das ist eine positive Entwicklung. Daran wird deutlich, dass unser Werben für einen Ausstieg aus der Klärschlammdüngung greift und es tragfähige Alternativen gibt."



Ergänzende Informationen:

Basisinformationen zu PFT:
Perfluorierte Tenside (PFT) sind eine Gruppe organischer Verbindungen (Leitkomponenten PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) und PFOA (Perfluroctansäure)), an deren Kohlenstoffgerüst die Wasserstoffatome vollständig durch Fluoratome ersetzt sind. Sie zeigen eine hohe Beständigkeit gegenüber UV-Strahlung und Verwitterung auf. Aufgrund ihrer schmutz-, farb-, fett-, öl- und wasserabweisenden Eigenschaften finden diese Stoffe Anwendungen in zahlreichen Industrie- und Konsumprodukten. Die Hauptanwendungsgebiete liegen im Bereich der Oberflächenmodifizierung, der Papierveredelung und der Spezialchemie. Typische Produkte sind: Textilien, Ledermöbel, Papier und Verpackungen, Farben, Reinigungsmittel und Kosmetikartikel, Pflanzenschutzmittel, Feuerlöscher, hydraulische Flüssigkeiten. Außerdem werden PFT in der chemischen Synthese, der Metallierung, der Foto- und Halbleiterindustrie, sowie der Medizintechnik verwendet.

Risiken von PFT für Mensch und Umwelt:
Das Auftauchen von perfluorierten organischen Verbindungen in der Umwelt wurde in den 70er Jahren erstmals beobachtet und stieg seitdem stetig an. PFT werden heute weltweit in Gewässern, in der Atmosphäre sowie im Gewebe bzw. Blut von Menschen und Tieren nachgewiesen.
Die Vertreter der Stoffgruppe PFT zeichnen sich durch hohe Persistenz (Stabilität) in der Umwelt sowie eine hohe Bioakkumulierbarkeit aus. In Böden sind sie vergleichsweise leicht löslich und mobil. Das heißt, sie können - wie das Beispiel NRW zeigt - in Richtung Grundwasser verlagert werden und auch Trinkwasser verunreinigen. Die toxikologischen Eigenschaften der PFT sind bisher nur unvollständig untersucht und basieren überwiegend auf Tierversuchen. Nach heutigem Wissensstand kann von einer kanzerogenen und fortpflanzungsschädigenden Wirkung sowie einer mäßigen Toxizität für den Menschen ausgegangen werden.

Bewertung der PFT-Funde und Vergleich zu den PFT-Funden in NRW:
Die im Schiltacher Klärschlamm gefundenen Werte (5 mg/kg) liegen erheblich unter den Gehalten der Abwasserschlämme (über 100 mg/kg), die in NRW (Bereich Brilon, Möhnetalsperre) die vielfach in der Presse zitierten Belastungen von Grund-, Trink- und Oberflächengewässer verursacht haben. Insofern besteht nach derzeit vorliegenden Erkenntnissen keine unmittelbare Gefahr für Umwelt und Gesundheit der Menschen. Dennoch sind nach Untersuchungen aus NRW Klärschlämme ab einem Gehalt von 0,1 mg/kg nicht mehr für eine Verwertung auf Böden geeignet, da ab diesem Wert ein deutlich steigendes Risiko für die Auswaschung aus den Böden in Richtung Grundwasser besteht.



Quelle: Umweltministerium

 
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