Etappe 9: Vom El Djouf zum Senegal-Fluss

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Etappe 9: Vom El Djouf zum Senegal-Fluss

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Am Morgen des 17. Septembers, als der Trupp weiterzieht, bleiben zwei der fünfzehn Störche zurück. Sie werden die Hitze der Wüste und die Strapazen des Fluges nicht überleben. Die anderen Tiere ziehen über der Sandwüste weiter nach Süden. Nach gut 200 Kilometer Flug sehen sie, wie unter ihnen die Wüste wieder grüne Stellen aufweist. Sie nähern sich dem steppenartigen Gebiet nördlich der Stadt Aioun el Atrouss. Hier gibt es mehrere grüne Täler, die auch von Nomaden aufgesucht werden. In einem dieser Täler landet der kleine Trupp, nunmehr dreizehn Störche zählend. Sie haben Glück, da sie hier sogar einen Brunnen vorfinden, aus dem sie mit ihren langen Schnäbeln begierig das Wasser trinken. Auch Heuschrecken kommen in großer Anzahl vor und nach den körperlichen Belastungen, die der Flug über die Wüste mit sich brachte, nehmen die Störche die kalorienreichen Eiweißbomben gerne zu sich.
Lena und ihre Artgenossen sind von dem Flug über die Wüste so erschöpft, dass sie hier die nächsten fünf Tage verbringen. Zwar ist das Nahrungsangebot nicht sehr abwechslungsreich, aber die Tiere finden große Mengen an Wüstenheuschrecken, die sich in diesem Jahr dort stark vermehrt haben. Anschließend fliegen sie weiter. Während die meisten der anderen Störche in Richtung Südosten zum Überschwemmungsgebiet des Niger-Flusses fliegen, segelt Lena nach Westen. Ihr Ziel ist das Senegaldelta.
Lena überfliegt die karge Landschaft der Sahelzone und nächtigt in Kiffa, wo sie ihren Durst an einem Brunnen stillen kann. Auch hier verbringt sie einen weiteren Tag. Als sie schließlich weiterzieht, erreicht sie dann endlich bei Kaédi den Senegal-Fluss, der hier die natürliche Grenze zwischen Mauretanien und Senegal bildet. Ihm folgt sie, bis sie schließlich das Delta des Senegal-Flusses erreicht.

Nord-Senegal mit Senegaldelta
Einst stellte das Senegaldelta für Weißstörche eines der wichtigsten Winterhabitate dar. Gerade Störche aus Westeuropa verbrachten in diesem Schwemmlandgebiet bevorzugt den Winter, während Weißstörche aus Nordafrika eher weiter nach Osten ins Nigerbinnendelta (Mali) weiterzogen. Da die Population der westziehenden Störche in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten jedoch stark abgenommen hat, werden mittlerweile nur noch kleinere Gruppen und Einzeltiere im Senegaldelta gesichtet.
Das Gebiet um die Küstenstadt St. Louis in Nordwestsenegal weist zwei Nationalparks auf: Der "Parc National du Djoudi", der sich etwa sechzig Kilometer östlich von St. Louis befindet, und der "Parc National de Langue de Barbarie" im Mündungsgebiet des Senegals-Flusses. Beide bieten in der nur spärlich bewachsenen Halbwüste der Sahelzone verschiedenen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. Der "Djoudi-Nationalpark" ist das ornithologische Aushängeschild des Landes und das drittgrößte Vogelreservat weltweit. 450 Vogelarten, darunter Flamingos, Fischadler, Reiher, Schwarzstörche, Kormorane und Kraniche leben in dem Feuchtgebiet.
Das fruchtbare Schwemmland an den Ufern des Senegalflusses wird für den Anbau von Reis, Mais; Hirse und Zuckerrohr genutzt. Nördlich des Senegal zeugen verlassene Gehöfte von der unaufhaltsamen Ausdehnung der Wüste nach Süden: manche Gebäude sind schon fast vollständig vom Wüstensand verschluckt.

Lena am Senegal-Fluss
Lena hat nun ihr eigentliches Ziel der Reise erreicht und wird nur noch gelegentlich kleinere Strecken in der Umgebung umherfliegen. Sie wird bis zu ihrer Abreise am 11. Februar viereinhalb Monate im nordwestlichen Gebiet Senegals und in Südmauretanien verbringen. Dabei verweilt sie die meiste Zeit im Mündungsgebiet des Senegal-Flusses, wo sie im Brackwasser nach Nahrung sucht. Immer wieder begibt sie sich aber auch zu den Reisfeldern am Ufer des Flusses, in denen sich Krebse und vereinzelt kleine Fische tummeln. Eine hohe Akazie hat sie zu ihrem Schlafplatz auserwählt, die obersten Äste sucht sie regelmäßig mit Einbruch der Dämmerung auf.
Im Oktober kommt es auf mauretanischer Seite, nördlich des Senegal-Flusses, zu einer explosionsartigen Vermehrung von Wüstenheuschrecken. Lena verlässt deswegen das feuchte Schwemmland, um sich an diesen, bequem zu erbeutenden, Insekten satt zu fressen.
Bis zu ihrer Abreise wird sie sich genug Fettreserven angefressen haben, um den langen Weg zurück nach Baden-Württemberg anzutreten. Wird Lena die Reise dann genauso erfolgreich meistern wie den Flug hierher? In Rheinstetten wird man sie auf jeden Fall erwarten!

 
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