Etappe 2: Von Freiburg in die Camargue

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Etappe 2: Von Freiburg in die Camargue

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Urs, das Storchenmännchen von Lena, befindet sich nicht in dem Schwarm, dem Lena sich angeschlossen hat. Zwar brüten Störche oft über mehrere Jahre hinweg zusammen, das liegt aber eher an ihrer Treue zum Nest, als an der Treue zum Partner. Daher rührt auch der Begriff "Nesttreue" und "Einjahresehe".
Der Weg führt nun nicht mehr entlang des Rheins. Dort, wo sich das Rheintalzwischen Vogesen und Schwarzwald nach Süden öffnet, hält sich der rund fünfzig Tiere zählende Schwarm westwärts und umfliegt den höchsten Berg der Vogesen, den knapp fünfzehnhundert Meter hohen Großen Belchen. Gut hundert Kilometer weiter südwestlich liegt die Stadt Besancon unter ihnen. Schließlich nächtigen sie nahe der Stadt Dôle.
Am nächsten Tag, dem 24. August, folgen sie dem Rhônetal in südlicher Richtung. Wie auch der Rhein dient die Rhône den Zugvögeln als Orientierung. Zudem fließt die Rhône zwischen den Alpen im Osten und dem französischen Zentralmassiv. Für die Vögel ist es einfacher, dem Tal zu folgen, als Bergmassive zu überqueren, über denen nur eine schwache Thermik herrscht.
Die Landschaft unter ihnen, entlang der Rhône ist geprägt von nicht enden wollenden Weinbergen. Ab und zu überfliegen sie auch Lavendelfelder, die allerdingsschon vor einigen Wochen abgeerntet worden sind und nicht mehr das intensive Blau der Blüte zeigen.
Den ganzen Tag schon über herrschte eine hohe Luftfeuchtigkeit und als die Störche Lyon überfliegen, spüren sie, wie sich ein Gewitter aufbaut. Sie landen etwas südlich von Lyon und trotzen dem aufkommenden Gewitter auf einem abgeernteten Feld, wo sie bis zum nächsten Tag bleiben.
Am nächsten Tag hält sich der Himmel bedeckt und die Thermik ist wesentlich ungünstiger als die Tage zuvor. Der Storchentrupp fliegt deswegen nur in niedrigen Höhen und die Vögel landen im Verlauf des Tages mehrere Male zwischen, bis sie schließlich das Gebiet der Camargue erreichen.

Camargue (Südfrankreich)
Die Camargue ist der westliche Teil des Rhônedeltas und befindet sich etwas westlich von Marseille. Das gesamte Gebiet von rund 75.000 Hektar ist Schwemmland, das durch die Ablagerung von Schlamm, Kies und Sand entstand, die der Fluss unentwegt ins Meer schiebt. Noch heute wird diese Landschaft durch diesen dynamischen Prozess der aktiven Deltabildung bestimmt: die Rhône lädt so viel Geschiebe ab, dass das Land jährlich mehr als 10 Meter ins Meer vorrückt. Dafür gewinnt an anderer Stelle das Meer Land zurück, so dass beispielsweise der Ort Les-Santes-Maries-de-la-Mer nicht mehr wie einst im Landesinnern, sondern nun direkt an der Küste liegt. Während der Norden der Camargue mit Reis-, Spargel- und Getreideanbau intensivst landwirtschaftlich genutzt wird, ist der Süden der Camargue für die Landwirtschaft recht unattraktiv. Das liegt daran, dass die Camargue an ihrem höchsten Punkt nur viereinhalb Meter hoch ist und das Grundwasser unter der lehmigen Erdschicht salzhaltig ist. Alle Pflanzenarten, die hier vorkommen, müssen hohe Salzehlate ertragen können.
Für viele Tier- und Pflanzenarten stellt diese außergewöhnliche Feuchtlandschaft mit ihren vielen Lagunen und Sümpfen einen einzigartigen Lebensraum dar. Neben den "touristischen Attraktionen", wie den halbwilden weißen Pferden oder den schwarzen Camargue-Stieren, sind hier etwa 150 Vogelarten heimisch, darunter auch der Flamingo und der Eisvogel.
Von baden-württembergischen Störchen wird die Camargue auf ihrem Zug nur gelegentlich aufgesucht, da sie etwas südlich der klassischen Zugroute liegt und einen Umweg bedeutet. Trotzdem kann man hier jedes Jahr Störche beobachten. Auch Lena rastet hier.

Lena in der Camargue
Lena hat sich nahe des Vaccarès-Sees, dem größten Binnensee der Camargue, niedergelassen, wo unweit von ihr einige Flamingos durch das flache Wasser staksen. Nur ein paar Schritte entfernt kann sie aus dem Schilf ein leises Rascheln hören. Mit großen, aber leisen Schritten schreitet sie zu dem Geräusch und verweilt lautlos. Das Rascheln hat zwar aufgehört, aber jetzt erkennt Lena eine junge Ratte, die ihren Kopf aus dem Schilf steckt. Während sie noch vorsichtig die Umgebung nach möglichen Feinden beschnuppert, stößt Lena schon blitzschnell zu und hat die Ratte zwischen ihren spitzen Schnabelhälften gefangen. Durch ein ruckartiges Zurückwerfen des Kopfes schleudert sie ihre Beute tief in den Schnabel, und verschluckt sie schließlich lebend.
Lena hält sich 2 Tage im Gebiet der Camargue auf und reist erst am 28. August weiter. Die meiste Zeit verbringt sie in den Reisfeldern nahe der Stadt Arles, in denen massenweise kleine Krebse und Egel vorkommen.


 
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