Europaweit einmaliges Netzwerk von Hornissen- und Wespenfachberatern in Baden-Württemberg

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Europaweit einmaliges Netzwerk von Hornissen- und Wespenfachberatern in Baden-Württemberg



Europaweit einmaliges Netzwerk von Hornissen- und Wespenfachberatern in Baden-Württemberg

Stuttgart. Bürger sind regelmäßig ratlos und schreckhaft in Sachen Insekten wie Hornissen Dabei sind etwa Hornissen ausgesprochen friedfertig und ihr Stich weniger giftig als der einer Honigbiene. Kommt es trotz des Nutzens dieser Insekten zu Problemen, wenn sich Hornissen und Wespen ansiedeln, haben die Bürger im Südwesten spezielle Ansprechpartner. Denn Baden-Württemberg verfügt über ein einmaliges Netzwerk von ehrenamtlichen Hornissen- und Wespenfachberatern, die mit Vorurteilen aufräumen und Ratsuchenden fachlich versiert zur Seite stehen. Baden-Württemberg hat hier europaweit eine absolute Vorreiterrolle im Artenschutz, so der Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg Claus-Peter Hutter. „Unser Konzept von Information, Fortbildung und Versachlichung hat sich bewährt.“ Über Jahre hinweg wurden von der Landes-Umweltakademie für jeden Land- und Stadtkreis rund 6 Insekten-Fachberater aus- und fortgebildet. In ganz schwierigen Fällen – wenn sich Hornissen etwa am Eingang eines Kindergartens ansiedeln – können sie Nester auch umsiedeln.

Im Hochsommer etwa, wenn Staaten und Nester von Hornissen und Wespen an Größe zunehmen und die Aktivitäten der Tiere auch in den Aktionsradius der menschlichen Bevölkerung geraten, ist guter Rat teuer. Denn einerseits stehen Hornissen bundesweit unter besonderem Artenschutz – andererseits können sich auch Probleme ergeben. Unter dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ wird das Zerstören von Hornissennestern als eine Art Kavaliersdelikt angesehen. Die Vorurteile gegenüber diesen Falken der Insektenwelt sind nach Darstellung der Umweltakademie Baden-Württemberg jedoch unberechtigt. Ein gesunder, 70 kg schwerer Mensch, so Fritz-Gerhard Link von der Akademie – müsste nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mehr als tausendmal gestochen werden bevor er in Lebensgefahr schwebt. Wegen ihrer Wehrhaftigkeit sollte man deshalb keine Panik bekommen, sondern allenfalls Respekt und Ruhe walten lassen. Lediglich Personen mit Wespengiftallergie – nur 2-3 % aller Gestochenen reagieren allergisch – sollten sich vermehrt in Acht nehmen und ärztliche Behandlung beanspruchen. Lästige Gesellen in Bäckerläden und an der Kaffeetafel sind nur zwei relativ häufige Wespenarten: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Hornissen und alle anderen Wespenarten interessieren sich weder für Wurstbrote noch für Limonade, sondern machen Jagd auf andere Insekten wie etwa kleinere Wespenarten, Spinnen, alle Arten von Fliegen, Eichenwicklerraupen und Spannerraupen. Deshalb haben Hornissen auch eine wichtige Funktion im Naturkreislauf.
Die von der Umweltakademie ausgebildeten Fachberater für Hornissen- und Wespenfragen erlernen neben biologischen Grundlagen auch die rechtlichen Hintergründe: Wer etwa einen Eingriff ohne Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde vornimmt – das betrifft sowohl das Umsiedeln als auch das Zerstören von Hornissennestern –, macht sich aufgrund des bundesweiten Schutzstatus’ strafbar. Somit sind Bürger, die sich von Hornissen oder Wespen bedroht fühlen, gut beraten, wenn sie sich an Fachleute wenden, welche in heiklen Fällen nicht nur entscheiden können, ob ein Nest umgesiedelt werden muss, sondern auch die Kenntnis und die Erlaubnis zu einem solchen Eingriff haben. Das Netzwerk in Baden-Württemberg ist nach Angaben der Landes-Umweltakademie einmalig in Europa und keine Eintagsfliege. Die ehrenamtlichen Fachberater werden durch die unteren Naturschutzbehörden an Bürger weitervermittelt.

Weil Unwissenheit der größte Feind der Natur ist, sind die ehrenamtlichen Fachberater wichtige Dialogpartner, welche die Arbeit der Naturschutzbehörden unterstützen. Eine landesweite Umfrage der Umweltakademie Baden-Württemberg ergab, dass sich etwa 80% der ratsuchenden Bürger durch Hornissen oder Wespen vor der Fachberatung gestört fühlen. Letztendlich können aber rund 70% der betroffenen Hornissennester durch die gute Aufklärungsarbeit der Fachberater jeweils am Ursprungs-Ort belassen werden. Aus Sicht der Umweltakademie eine absolute Erfolgsstory im Artenschutz! Kenntnisse über die Biologie, Demonstrationen zur Friedfertigkeit der Tiere, Einfühlungsvermögen in die Ängste der Betroffenen und oft auch handwerkliches Geschick sind überzeugende Argumente.
Die Umweltakademie Baden-Württemberg hat dabei nicht nur Hornissen und Wespen im Auge, sondern weiß auch um die Wirksamkeit der Beratungen in anderen Bereichen. Auf diese Weise werden den Bürgern komplexe ökologische Zusammenhänge begreifbar gemacht, die in der allgemeinen Bevölkerung wenig bekannt sind. So erbeutet ein Hornissenvolk zum Beispiel so viele Mücken wie fünf Meisenfamilien zusammen. Hinzu kommt, dass viele „Hornissennestbesitzer“ fasziniert das arbeitsame Treiben am Nest beobachten und vor den vorher so gefürchteten Tieren Achtung und Respekt entwickeln, was sich auch auf die Natur im Allgemeinen übertragen kann. Somit führen die von der Umweltakademie fortgebildeten Fachberater die Bevölkerung wieder mehr an die ökologisch intakte Natur heran.


Fragen zu Hornissen und Wespen?
Informationen zu Hornissen und Wespen erhalten Sie unter www.hornissenschutz.de oder www.hymenoptera.de.
Die Fachberater für Hornissen- und Wespenschutz Baden-Württemberg werden durch die unteren Naturschutzbehörden der Stadt- und Landkreisverwaltungen in Baden-Württemberg vermittelt.

Unterschiede: Hornissen – Wespen – Bienen – Hummeln
Hornissen fallen durch ihre beachtliche Größe und die lauten Fluggeräusche auf. Wie alle Echten Wespen sind sie im Vergleich zu Hummeln und Bienen wenig behaart und haben eine auffällige Wespentaille. Auch ihre Färbung unterscheidet sie von den übrigen Wespenarten: Gesicht und Hinterleib sind schwarz-gelb, Scheitel und Brust dagegen rostrot gefärbt.

Wild- und Honigbienen und Hummeln haben eine stärkere Körperbehaarung und behäbigere Bewegungen. Auch die Warnfarben schwarz-gelb sind selten so stark ausgeprägt wie bei Wespen.


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