Feuerwehren im Umwelteinsatz

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft   English  

Feuerwehren im Umwelteinsatz

Zwischen Hochwasser, Stürmen und Waldbrand:
Feuerwehren bekämpfen Folgen des Klimawandels

Der Klimawandel beschäftigt immer mehr auch die Feuerwehren. Die Häufung von Extremwetter-Ereignissen mit Hochwasser, Stürmen und dürrebedingten Waldbränden führen zu einer verstärkten Alarmierung der Florians Jünger. Auf sie warten zukünftig vermehrt Einsätze zur Bewältigung der Folgen von klimabedingten Naturkatastrophen. Dies ist das Ergebnis einer landesweiten Einsatzschulung der Feuerwehrkommandanten, welche die Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg und die Umweltakademie im Zuge eines mehrjährigen Umwelt-Feuerwehr-Projekt gemeinsam tragen. Das Kooperations-Projekt zeigt, dass die zugenommene Häufung von extremen Wettersituationen eine Vorbereitung auf zusätzliche Aufgaben der Feuerwehren erfordert. Zugleich ergab sich, dass die Menschen und Völker ebenso wie vor dem internationalen Terrorismus auch vor den Folgen des Klimawandels geschützt werden müssen.


Feuer und Klimaschutz:
Neue Treibhauswelt erfordert konsequenten Klimaschutz durch jedermann


Orkane mit Starkniederschlägen und Hochwasser mobilisieren die Feuerwehren heutzutage zur Sommer- wie Winterzeit. So ist die Feuerwehr etwa durch die Hitzewelle der Sommers 2003, die rund 30 Länder auf der Nordhalbkugel heimsuchte, alarmiert worden. Auch im Sommer 2004 mussten die Feuerwehren vor allem kleinere Flächenbrände auf verdorrten Feldern und Trockenrasenflächen löschen. In Brandenburg sind im Jahr 2003 allein 450 Hektar Wald durch sommerliche Waldbrände vernichtet worden. Die meisten Klimaforscher sehen in der Hitzewelle ebenso wie in den Starkniederschlägen, die 2002 weitere Landstriche Mitteleuropas unter Wasser setzten, als Folgen des Klimawandels an.

Zunächst ist es nach Mitteilung der beiden Projektpartner eine scheinbar paradoxe Konsequenz, dass gleichzeitig Dürren und mehr Überschwemmungen zu erwarten seien. Doch die Wetterbeobachtungen zeigten nach Feststellung etwa dem Fraunhofer-Institut in Karlsruhe, dass die weltweite Mitteltemperatur im 20. Jahrhundert tatsächlich um durchschnittlich 0,6 Grad zugenommen hat. Zudem stellten die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts weltweit das wärmste Jahrzehnt seit 1861 dar. Sieben der zehn weltweit wärmsten Jahre des letzten Jahrhunderts traten nach 1989 auf. Hierbei war 1998 das wärmste und 2002 das zweit wärmste Jahr. Das internationale Gremium der Klimawissenschaftler (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) erwarte, dass bis zum Jahr 2100 die globale Erdoberflächentemperatur im Durchschnitt um mindestens weitere 1,4 Celsius, möglicherweise sogar um bis zu 5,8 Grad Celsius ansteige. Diese globale Erwärmung habe zur Folge, dass sich Klimazonen und Niederschlags-verteilungen verschieben und meteorologische Extremereignisse wie sommerliche Trockenperioden, Überschwemmungen und Stürme zunehmen.

Verursacher des Klimawandels, und daran zweifelt kaum ein Klimatologe mehr, ist der Mensch selbst, so die Umweltakademie. Mehr als 24,1 Milliarden Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid strömten allein 2002 als Verbrennungsprodukt fossiler Kraftstoffe weltweit in die Atmosphäre. Aus Deutschland stammten dabei 834 Millionen Tonnen. Diese Mengen können nicht ohne Einfluss auf das Klimasystem bleiben. So sagen Klimaforscher voraus, dass typische Dürreperioden in Mitteleuropa im Sommer zehn bis zwanzig Tage länger dauern werden als heute. Gleiches gelte für Niederschlagsextreme.

Wenn sich Bäche innerhalb kürzester Zeit in reißende Flüsse verwandeln, dann stehen sowohl das Führungsmanagement als auch die Hilfskräfte vor neuen Herausforderungen, die bis zum Katastrophenfall gehen könnten. Die Feuerwehren müssten sich daher immer mehr mit der wetterkundlichen Vorhersagbarkeit von Extremwetterereignissen einerseits und den wasserwirtschaftlichen Gefahren- und Risikoarten sowie der Hochwasservorwarnung beschäftigen. Diese Kenntnisse seien eine unentbehrliche Grundlage der Hochwasservorsorge und der Einsatzplanung. Zudem müsse damit kalkuliert werden, dass Extremwetter-Ereignisse wie Sturm und Hochwasser zusammenfallen. Hilflose Menschen, vollgelaufene Keller oder schwimmende Öltanks in überschwemmten Lagen gelte es dann ebenso zu begegnen wie umgestürzten Bäumen auf Straßen außerhalb der Flussauen. Hier ist dann ein geschicktes Management und Zusammenwirken der Einsatzkräfte besonders gefordert, so der Leiter der Landesfeuerwehrschule, Branddirektor Hermann Schröder. Die Rettungsmaßnahmen müssten dann optimal koordiniert werden.

Schließlich macht das bundesweit einmalige Kooperationsprojekt Feuerwehr und Umweltvorsorge deutlich, dass mit verbesserten Warnsystemen und Dammerhöhungen den neuen Aufgaben allein nicht beizukommen ist. Die Umweltakademie betont deshalb, dass der aktive Klimaschutz und der vorbeugenden Hochwasserschutz die beste Vorbeugung für die neuen Gefährdungen darstelle. Es gilt, das Kohlendioxid gemäß dem Kyoto-Protokoll um rund fünf Prozent – die europäischen Industrienationen sagten sogar 21 % zu – unter das Niveau von 1990 zu senken. Gemäß dem Umweltplan des Landes Baden-Württemberg ist es Ziel der Klimaschutzpolitik des Landes, die CO2-Emissionen von 77 Mio. t (2000) auf unter 70 Mio. t/Jahr (bis 2005) und unter 65 Mio. t/Jahr bis zum Jahr 2010 zu senken. Ansonsten werde eine nicht mehr tolerierbare Erwärmung der Erde gefährlichere Klimaveränderungen wie etwa die erhöhte Ausbreitung der Malaria sowie ein erhöhtes Risiko für Ernteausfälle mit sich bringen. Die Trägheit des Klimasystems erfordert, dass wir weit mehr beweglicher in der Energie-Einsparung sein müssen, so die Umweltakademie. Die Herausforderungen für die Feuerwehren müssten uns ein Signal sein, dass Klimaschutz ein Alltagsanliegen jedes Einzelnen wird.

Literaturtipps
Helmut v. Kraus, Ulrich Ebel: Risiko Wetter. Aus Sicht des Meteorologen und eines Rückversicherers werden Wetterphänomene und ihre unerfreulichen Auswirkungen erläutert. Springer Verlag. 24,95 €.

Peter Fuhrmann & Claus-Peter Hutter (Hrsg., 2004): Klimaschutz und Hochwasservorsorge. Zusammenhänge und Konsequenzen für die kommunale Planungspraxis. Dokumentation der Fachtagung „Klimaschutz und Hochwasservorsorge – Zukunftssicherung für Mensch und Natur“. Beiträge der Akademie für Natur- und Umweltschutz, Bd. 33, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart. 136 Seiten, mit farbigen Illustrationen. ISBN 3-8047-2058-7. € 19,80. Im Buchhandel erhältlich.

Seitenanfang Seite drucken

Startseite Baden-Württemberg: