Regionalvermarktung Streuobst
Regionalvermarktung Streuobstsaft
Tagungsergebnisse
Die in Zusammenarbeit von Umweltakademie Baden-Württemberg mit dem Landratsamt Rems-Murr-Kreis, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU-Bundesarbeitsgruppe Streuobst) und mit Mitwirkung der Fachgruppe Fruchtsafthersteller im Verband der agrargewerblichen Wirtschaft veranstaltete Fachtagung (22.04.1998) ergab folgende Ergebnisse:
- Die klein- und mittelständischen Kelterei- und Fruchtsaftbetriebe sowie die Aufpreisvermarkter in Baden-Württemberg wollen durch eine enge Zusammenarbeit die Synergie-Effekte zur Belebung und Stärkung sowohl des Streuobstbaus als auch des Handels mit Streuobstgetränken nutzen.
- Die Wertschätzung und das Vertrauen der Bevölkerung in ein von den Naturschutzverbänden mitkontrolliertes Produkt, das umweltgerecht erzeugt wird, stellt ein wichtiges Marketingplus dar. Das NABU-Qualitätszeichen für Streuobstprodukte und die Förderrichtlinien des Ministeriums Ländlicher Raum Baden-Württemberg unterstützen die Vermarktung derartiger Erzeugnisse auf vorbildliche Weise. Die Umwelt-Qualitäts-Standards lauten: Obst von Hochstämmen, kein Einsatz synthetischer Pestizide und stickstoffhaltiger Mineraldünger (Kontrollen auf synthetische Pestizide, Nitrat, HMF und Patulin).
- Die Naturschutzverbände sehen mit Ausnahme rein lokaler Projekte ihre Aufgabe nicht darin, die Sammlung, Verwertung und Vermarktung auf Dauer, sondern höchstens in einer Anlaufphase selbst zu übernehmen. Sie unterstützen die Vermarktung durch Öffentlichkeitsarbeit und werben Partner in Handel und Großhaushalten (z.B. öffentliche Einrichtungen).
- Den Naturschutzverbänden kommt vor allem die Aufgabe der Kontrolle hinsichtlich der garantierten Umwelt-Qualitäts-Standards und die Öffentlichkeitsarbeit (Presse, Infostände) zu. Die Kelterei- und Fruchtsaftbetriebe übernehmen mit ihrem langjährigem Know-how die Aufgabe der Sammlung der Rohware, die Verwertung und Vermarktung.
- Eine Selbstverpflichtung der Keltereibetriebe in Hinblick auf die höhere Erzeugerpreise für Streuobst und Umwelt-Qualitäts-Standards des Getränks - vergleichbar der Selbstverpflichtung der Industrie zur Minderung des klimaschädlichen Kohlendioxids - wäre ein wichtiger Schritt zur Förderung der Streuobstbestände.
- Es ist ein landesweites Modellprojekt zur Vermarktung von Streuobstgetränken erforderlich.
- Um aus einem Nischenprodukt ein marktfähiges (Streuobst-) Getränk zu entwickeln, ist ein professionelles Vertriebssystem, eine gute Preisgestaltung sowie ein gutes Marketing nötig. Das Vertriebssystem muss vor der Erzeugung geklärt und möglichst vertraglich abgesichert sein. Eine markengerechte Platzierung bedeutet auch eine möglichst einheitliche Preisgestaltung bei allen Verkaufsstellen.
- Der Getränkefachhandel spielt eine zentrale Rolle beim Absatz von Streuobstgetränken. Er sollte zunächst vorrangig bedient werden. Hierzu ist ein spezielles Marketing nötig. Die Vermarktung von Streuobstsaft sollte bevorzugt regional möglich sein.
- Die Gastronomie spielt bei der Einführung von Streuobstgetränken eine wichtige Rolle und muss durch ein spezielles Marketing bedient werden (z.B. Gläser mit Aufdruck, "Saftdeckel", Tischaufsteller, Veranstaltungen o.ä.).Es bedarf der Entwicklung und Vermarktung von Spezialitäten (Brisanti, Cidre, sortenreine Säfte), um neue Geschmacksgewohnheiten zu bedienen.
- Auch den Gemeinden, Stadt- und Landkreisen, dem Land sowie den Obst- und Gartenbauvereinen kommt eine unersetzliche Rolle bei der Neupflanzung und der Pflege (auch Pflege- bzw. Schnitt-Schulung) von Streuobstwiesen zu.
Vollständige Tagungsdokumentation in dem Band "Vom Streuobst zum Getränk – neue Wege in der Regionalvermarktung". Hrsg. Umweltakademie. Reihe Tagungsführer Heft 6.
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