Nahrungsmittelproduktion und Handel

Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft   English  

Nahrungsmittelproduktion und Handel

Nachhaltigkeit bei Nahrungsmittelproduktion und Handel:
Modellprojekte des Regionalmarketing

Tagungsergebnisse


Bei der Fachtagung der Umweltakademie Baden-Württemberg zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), Landesverband Baden-Württemberg am 9. Juli 1998 ergaben sich die folgenden Tagungsergebnisse:

1
Im regionalen Warenmarkt schlummert noch eine wenig beachtete Entwicklungsmöglichkeit. Derzeit stammen nur 3 % der Produkte, die heute im Warenkorb der Verbraucher landen, aus der direkten Umgebung von etwa 100 km Umkreis. Dies führt nicht nur zu starken Umweltbelastungen durch unnötigen Güterverkehr im Stadt und Land, sondern entzieht den Regionen auch erhebliche Wirtschaftskraft.

2
Das Einrichten regionaler Wirtschaftkreisläufe erscheint dem NABU als einer der erfolgversprechendsten Wege, den ländlichen Raum und die kleinen Städte aus eigener Kraft zu stärken und damit auch die Artenvielfalt in einer bäuerlich geprägten Kulturlandschaft sowie den Erholungswert der Landschaften zu erhalten.

3
Es lassen sich 70 % des Warenverkehrs eindämmen, wenn die regionale Herkunft bei Gütern wie etwa auch Lebensmitteln wieder eine Rolle spielen würde. Die produktbezogenen Transportanalysen machen deutlich, dass deshalb regionale Kriterien verstärkt in das ökologische Konsumverhalten eingebaut werden müssen. Die vielfältige Warenwelt der Lebensmittel, unabhängig ob ökologisch oder konventionell angebaut, soll zukünftig um den entscheidenden Aspekt der regionalen Vielfalt erweitert werden. Vor allem bei den Grundnahrungsmitteln ist es unverzichtbar, dass die regionale Herkunft bei Handel und den Kaufentscheidungen der Verbrauchern wieder in den Vordergrund rückt.

4
Die Fachtagung ergab dabei folgende konkrete Ansätze für eine Wertschöpfung durch die Regionen:

Neben der Qualität muss die Herkunft der Nahrungsmittel zuverlässiger ausgewiesen werden kurze
Transportwege, verbunden mit umweltverträglicher Erzeugung, müssen zum Qualitätsmerkmal werden in Supermärkten ließen sich Regionaltheken einrichten in Urlaubsregionen, an Autobahn-raststätten und Speisekarten im Gastronomie-Sektor bietet sich ein Angebot regionaler Erzeugnisse an.

5
Die Erneuerung solcher Wirtschaftsweisen und -wege bedeutet letztlich keinen Verzicht, sondern zusätzlichen Gewinn vor Ort. So konnte die Fachtagung aufzeigen, dass sich der derzeitige Anteil der regionalen Wirtschaftskreisläufe von derzeit 5 % auf mindestens 25 % steigern ließe.

6
Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist die beste Form der Regionalvermarktung, also dem Handel von regional erzeugten und vertriebenen Agrarprodukten. Bauernmärkte sollten daher in Ergänzung und nicht in Konkurrenz zum Lebensmitteleinzelhandel organisiert werden.

7
Der Lebensmitteleinzelhandel hat als "Gatekeeper" zwischen Erzeugung und Vermarktung beachtliche Einflussmöglichkeiten zur Ökologisierung der Lebensmittelproduktion und damit zur Wertschöpfung zugunsten der Region.

8
Die Erfolgsformel "Near to the customer, near to the market" verlangt eine Unternehmensphilosophie, bei welcher der Kunde tatsächlich als König betrachtet wird. Die Versorgung mit gesunden, umweltgerecht erzeugten Lebensmitteln muss einen wesentlichen Impuls für eine wirtschaftliche Handelstätigkeit und damit ein Unternehmensziel darstellen.

9
Weil bei den meisten Kaufentscheidungen im Lebensmittelhandel die Transportwege bislang kaum eine Rolle spielen, bedarf es einer Kennzeichnung regional erzeugter Produkte, welche diejenige der EU-Bio-Verordnung durch eine neue Herkunftskomponente ergänzt.

10
Nachhaltigkeit bei der Lebensmittelerzeugung und im Handel sowie ein ökologisches Konsumentenverhalten ist eines der Schlüsselthemen, welche in der LOKALEN AGENDA 21 vor Ort durch die Wiederherstellung regionaler Wirtschaftskreisläufe und die Vernetzung von Landwirtschaft, Landschaft, Lebensmittelhandwerk und -einzelhandel verwirklicht werden kann.


Vollständige Tagungsdokumentation in Umweltakademie (1998): Nachhaltigkeit bei Nahrungs-mittelproduktion und Handel: Modellprojekte des Regionalmarketing. Tagungsführer der Akademie, Heft 8. Kostenlos erhältlich
Vollständige Tagungsdokumentation kostenlos online bestellen

Seitenanfang Seite drucken

Startseite Baden-Württemberg: