Wie sich Umweltvorsorge rechnet
Tagungsergebnisse
Beim gemeinsam ausgerichteten Kommunalkongress der Akademie für Natur- und Umweltschutz und der Stadt Ettlingen am 24. März 2004 waren Bürgermeister, Leiter von Hochbauämtern und Umweltbeauftragte anwesend.
A. Mit Umweltschutz Geld verdienen
Durch Umweltvorsorge können Kommunen bedeutende Einspareffekte erzielen. Fachreferate zu unterschiedlichen kommunalen Handlungsfeldern zeigten jeweils entsprechende Einsparpotentiale auf. Schwerpunkte bildeten dabei die Bereiche Energie und Wasserwirtschaft.
B. Einsparmöglichkeiten
Bereich Energie
Einsparungen bei kommunalen Liegenschaften
Die Energiekosten in Baden-Württemberg liegen bezogen auf die Einwohnerzahl liegen sie bei etwa 32 Euro [1] pro Jahr und Einwohner. Dabei können jedoch nach Berechnungen des Wirtschaftsministeriums von etwa 25 bis 30% der Energiekosten eingespart werden, ohne die Qualität der Leistungen zu reduzieren [2]. Die Realisierung dieser Sparpotentiale kann durch energiebewusstes Verhalten und durch Investitionen zur Erzielung von Energieeinsparungen erfolgen. Dabei können bereits durch entsprechende Verhaltensänderungen – initiiert etwa durch Schulungen für Mitarbeiter – 6% [3] der Energiekosten eingespart werden. Im Zusammenhang mit investiven Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs ist es sinnvoll, die energetischen Dienste durch Contracting-Verträge an private Betreiber abzugeben, und diese an den Einsparungen zu beteiligen. Sie haben dadurch auf Grund ihrer knappen Ressourcen einen hohen Anreiz, den Energieverbrauch zu reduzieren.
Hohe Einsparpotentiale liegen hier vor allem im Bereich Heizung und Beleuchtung. Bundesweit liegt das Einsparpotential im Bereich Heizöl in den 39 Millionen privaten Wohnungen bei 2000 Liter Heizöl pro Jahr und Wohnung. Dies entspricht einer Ersparnis von 60 Millionen Liter Heizöl im Jahr bzw. 60 Milliarden Euro, mit denen 300.000 Arbeitsplätze gesichert werden könnten [4]. Bei kommunalen Liegenschaften lassen sich allein durch energiebewusstes Verhalten 15 bis 20 % der Heizkosten einsparen [5]. Auf Grund von Investitionen wie Austausch von Heizungen und Sanierungsmaßnahmen im Heizungsverteilungssystem können bis zu 50% der Heizkosten entfallen [6].
Ein wichtiger Kostenfaktor innerhalb der kommunalen Liegenschaften sind auf Grund der häufigen Frequentierung die städtischen Schulen. Hier lassen sich nach Berechnungen der Umweltakademie durch Verhaltensänderungen insgesamt bis zu 10% aller Energiekosten einsparen. In diesem Bereich bestehen aber auch sonst hohe Energiesparpotentiale. So können durch Investitionen bei der Haussanierung und in den Bereichen Wärmedämmung und Heiztechnik 40 bis 50 % [7] des Energiebedarfs entfallen.
In Leutkirch konnte auf Grund der Beteiligung der Stadt am kommunalen Öko-Audit [8] eine Kosteneinsparung von 6000 Euro im Jahr erzielt werden, die mit einer Senkung des CO2-Ausstoßes kommunaler Liegenschaften um 70 % einherging [9].
Dabei gilt folgende Relation: Jede weniger verbrauchte Kilowattstunde erspart dem Verbraucher etwa 8 Cent und der Atmosphäre 683 Gramm Kohlendioxid [10].
Kommunales Energiemanagement und Betriebsoptimierung
Durch kommunales Energiemanagement, d. h. die regelmäßige und zeitnahe Erfassung von Ver-brauchsdaten bei rechtzeitiger Korrektur auftretender Fehler, können die Energieausgaben um 10 bis 15 % [11] gesenkt werden. Dies hat ein Praxistest in 50 Kommunen in Baden-Württemberg ergeben.
Dabei ist es sinnvoll, das kommunale Energieprogramm im Gemeinderat beraten und beschließen zu lassen. Dabei erstellt die Verwaltung jährlich einen Energiebericht, der eine Datengrundlage für weitere investive Beschlüsse liefert [12].
Durch Betriebsoptimierung, d. h. die Anpassung des Betriebes an das tatsächliche Nutzungsprofil durch kleinere investive Maßnahmen, kann der Energieverbrauch ebenfalls um bis zu 20 % [13] gesenkt werden.
Straßenbeleuchtung
Auch bei der Straßenbeleuchtung können durch eine bedarfsorientierte Lichtdosierung sowie durch Energiesparlampen Einsparungen in beträchtlicher Höhe [14] erzielt werden. So summierten sich die Einsparungen der Stadt Konstanz durch eine international vorbildliche Ersetzung ihrer bisherigen Straßenlampen durch Energiesparlampen nahezu im gesamten Kernbereich (Natriumdampf-Hochdrucklampen, erkennbar am gelben Licht) in Kombination mit einer Reduktion der Leuchtstärke um die Hälfte in der Zeit von 19.10 bis 5.40 Uhr um bis zu 75% [15]. Gegenüber den weiß-bläulich strahlenden Quecksilberdampf-Hochdrucklampen konnte die Stadt Konstanz Stromkostenersparnisse von 12 bis 37,5% pro Lampe erzielen, wodurch sich die Umbaukosten innerhalb von 3 Jahren amortisierten. Zudem erhöhte sich die durchschnittliche Lebensdauer der Leuchten auf Grund eines Energieschaltungsbetriebes um rund 40.000 Stunden pro Leuchte. Weiter verringerte der Einbau zweier im Wechsel geschalteter Lampen in jede Leuchte die Beschaffungs- und Auswechslungskosten. Ein Modellprojekt erbrachte auf einer Länge von 2,5 km auf Grund der Ersetzung von Quecksilberdampfhochdrucklampen durch Natriumdampfhochdrucklampen eine Energieeinsparung von 40%. Bei einer sinnvollen Lenkung des Lichtes erhöht sich das Einsparpotential auf 50% [16]. Entsprechend vermindert sich auch die „Lichtverschmutzung“. Lichtverschmutzung wird durch Straßenlampen, aber auch Leuchtreklamen Flutlicht und Skybeamer verursacht. Dabei können Straßenlampen eine tödliche Falle für Insekten darstellen. Je stärker aber die Lichtabstrahlung gelenkt wird, desto geringer ist die Gefahr für Tiere. Gegenwärtig sterben jede Nacht an den 6,8 Mio Straßenlampen in Deutschland mehr als eine Milliarde Insekten. Auf das Jahr gerechnet bedeutet dies ein Insektensterben in der Größenordnung mehrerer Billionen Die Folge ist eine kontinuierliche Schwächung der etwa für die Blütenbestäubung wichtigen Insektenfauna.
Bereich Wasserwirtschaft
Trinkwasserverbrauch
Durch relativ geringe Investitionen lässt sich der Wasserverbrauch bei Gebrauchsein-richtungen bereits deutlich reduzieren. Ein Beispiel dafür ist der Einbau von Zeitregelgeräten bei Duschen in kommunalen Bädern, wodurch der Wasserverbrauch der Duschen um bis zu 30% sinkt.
Regenwasserbewirtschaftung
Ein Beispiel für größere, sich lohnende Sparinvestitionen, die sich relativ schnell amortisieren, ist der Bau von Regenwasseranlagen. Klospülung, Bewässerungs- oder Maschinenwaschanlagen können auch in kommunalen Gebäuden unter Verwendung von kostenlosem Regenwasser betrieben werden, wenn es sich um Anlagen für kommunale Gebäude handelt. Bei Anlagen für Siedlungsinfrastruktur sind die Spareffekte noch höher, zumal das Kanalsystem entlastet wird und daher nicht so schnell sanierungsbedürftig ist wie ohne Regenwasseranlage. Die Gemeinde Winterlingen im Zollernalbkreis konnte ihre investiven Ausgaben bei der Erschließung eines Neubaugebietes um 4,2 Mio Euro [17] senken. Die Marktgemeinde Glonn bei München hat sich in der Frage, ob zur Erschließung eine Wohngebiets mit 8 Einfamilienhäusern eine konventionelle Entwässerungsanlage oder eine Regenwasseranlage gebaut werden soll, für die Nutzung von Regenwasser entschieden. Dadurch konnten 25% der Baukosten eingespart werden.
Bereich Grünflächen- und Landschaftspflege
Die Beweidung kommunaler Grundstücke stellt eine kostensparende Alternative zur mechanischen Landschaftspflege. Dies ist das Ergebnis eines Modellprojekts in der Gemeinde Weisenbach. Die manuelle Wiesenmahd kostet 1270 €/ha [18], bei einem kombinierten Modell mit 50 % maschineller und 50 % manueller Pflege belaufen sich die Kosten sich auf 760 €/ha. Dagegen kostet eine reine Schafbeweidung bei gleichem Effekt lediglich 430 €/ha.
C. Fazit
Die zahlreichen Beispiele belegen eindrucksvoll, dass Umweltvorsorge in den Bereichen Gebäudemanagement, Hoch- und Tiefbau sowie Grünflächenpflege erhebliche finanzielle Einsparpotentiale erschließt, deren Ausschöpfung im Interesse von Natur- und Finanzhaushalt liegt.
Vollständige Tagungsdokumentation in dem Band "Wie Umweltvorsorge den Kommunalhaushalt schont". Tagungsdokumentation. Hrsg. Umweltakademie, 2004. - Reihe Beiträge der Akademie, Heft 16, 110 Seiten. Kostenlos erhältlich bei Umweltakademie Baden-Württemberg.
[1] Angaben nach Rüdiger Lohse, Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg
[2] Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg (1999): Energiemanagement kommunaler Liegenschaften
[3] Angaben nach Michael Wormer, Institut für Organisationskommunikation (IFOK)
[4] s. Fußnote 3
[5] Deutsches Institut für Urbanistik (1998): Zeitschrift DIFU-Berichte Nr. 4/98: Kommunales Gebäudemanagement – Konzepte und praktische Umsetzung im Internet
[6] Beispiel Berlin auf der Internetseite der österreichischen Energieverwertungsagentur (EVA)
www.eva.wsr.ac.at/publ/pdf/lcp-f.pdf
[7] s. Fußnote 6
[8] Verfahren der Zertifizierung kommunaler Liegenschaften anhand von ökologischen Kriterien
[9] s. Fußnote 2
[10] Öko-Institut (1995): GEMIS – Gesamtemissionsmodell Integrierter Systeme, Version 2.1,
[11] s. Fußnote 3
[12] so das Beispiel des Greenlight-Programms der Gemeinde Möglingen
[13] s. Fußnote 3
[14] Nach einer unbestätigten Pressemeldung lassen sich in diesem Bereich deutschlandweit dreistellige Millionenbeträge einsparen.
[15] Beispiel der Stadtwerke Konstanz
sw.konstanz.de/versorgung/sbeleuchtung/geschichte.htm
[16] Angaben nach Günter Volz, I.Vizepräsident der Ingenieurkammer Baden-Württemberg
[17] Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg: Naturverträgliche Regenwasserbewirtschaftung. Leitfaden für Planer, Ingenieure, Architekten, Kommunen und Behörden
[18] Angaben nach Toni Huber, Bürgermeister von Weisenbach